Spezialeinheiten der Polizei haben nach dem Anschlag in London zwölf Verdächtige festgenommen, darunter offenbar vier Frauen.

In welcher Verbindung die Festgenommenen zu dem Anschlag in London stehen, ist noch unklar. Die Polizei hat mitgeteilt, dass die Einsätze schon am frühen Morgen im Londoner Stadtteil Barking erfolgt sind, ungefähr zehn Kilometer östlich vom Stadtzentrum. Außerdem wurden dort seit dem Morgen viele Wohnungen durchsucht.

Auch Deutsche unter den Verletzten

Bei der Attacke sind mindestens sieben Menschen getötet worden. Unter den fast 50 Verletzten in London sind auch zwei Deutsche, das hat Innenminister de Maiziere bestätigt. Einer wurde demnach schwer verletzt.

„Genug ist genug!“

Regierungschefin Theresa May; Foto: imago / Andrew Matthews

Die britische Regierungschefin Theresa May: „Es gibt zu viel Toleranz für Extremismus in unserem Land.“

imago / Andrew Matthews

Die britische Premierministerin May hat den Anschlag als brutalen Angriff auf unschuldige Bürger bezeichnet und eine härtere Gangart gegen den Terrorismus angekündigt.

Nach dem dritten Anschlag innerhalb weniger Monate dürfe man nicht länger so tun, als könne alles so weitergehen wie bisher, sagte May am in einer Rede.

Notwendig sei vielmehr, die Ideologie hinter der Gewalt zu verurteilen, man brauche neue Gesetze zur Internetkontrolle, ausreichende Befugnisse der Sicherheitskräfte im Kampf gegen den Terrorismus und gegebenenfalls höhere Strafen auch für kleinere Verbrechen.

Angriff mit Transporter und Messern

Der Terrorangriff im Zentrum von London erfolgte in zwei Stufen: Gegen kurz nach zehn sind die drei mutmaßlichen Täter mit einem Transporter über die London Bridge gefahren und haben ihn dann auf den Gehweg gesteuert, wo er mehrere Menschen getroffen hat. Anschließend fuhren sie weiter zum nahe gelegenen Borough Market, ein beliebtes Ausgehviertel auch für Touristen: Dort sind die Männer ausgestiegen und haben Menschen offenbar wahllos mit Messern angegriffen.

Horror-Szenario in vielen Bars und Restaurants

Die London Bridge; Foto: imago ZUMA Press
imago ZUMA Press

„Das ist für Allah“, riefen die Terroristen nach Augenzeugenberichten, als sie auf ihre Opfer losgingen. Sie trugen Westen, die aussahen, als würden sie Sprengstoff enthalten. Es waren jedoch Attrappen.

In vielen Bars und Restaurants haben sich offenbar dramatische Szenen abgespielt: Menschen wehrten sich gegen die Angreifer, indem sie Gläser, Flaschen oder Stühle auf sie warfen. Nach acht Minuten haben Polizisten die Täter eingekreist und dann erschossen. Darüber hinaus gab es sieben Tote und fast 50 Verletzte.

Einheimische bieten ihre Sofas an

Viele Einwohner und Geschäftsleute in London haben gestrandeten Menschen unter dem Hashtag #SofaForLondon Übernachtungsmöglichkeiten angeboten. Auch Hotels und Restaurants am Südufer der Themse kümmerten sich in der Nacht um Menschen auf dem Heimweg.

Benefizkonzert gegen den Terror

Die Stimmung war ruhig, viele Passanten müde und verwirrt. Und sie erinnerten sich daran, wie erst im März in London ein Attentäter auf der Westminster-Brücke beim Parlament in eine Menschenmenge fuhr. Fünf Menschen starben damals, der Attentäter wurde von der Polizei erschossen. Noch frischer ist die Erinnerung an den Terroranschlag von Manchester vor knapp zwei Wochen, als ein Selbstmordattentäter nach einem Konzert seine Bombe in einer Menschenmenge zündete und 22 Menschen mit in den Tod riss. Deswegen ist für Sonntagabend ein Benefizkonzert geplant.