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Dieser Fall sorgt in Indien gerade für Aufruhr: Im Süden des Landes hatten vier Männer eine Tierärztin vergewaltigt, sie mit Benzin übergossen und angezündet. Die Frau starb, die verdächtigen Männer wurden verhaftet. Nun hat die Polizei die Männer erschossen. Ist das gerecht oder Selbstjustiz?

Der Hashtag #encounter trendet gerade in Indien. Gemeint ist das Gefecht zwischen Polizisten und vier mutmaßlichen Vergewaltigern in den frühen Morgenstunden.

Wollten die mutmaßlichen Täter fliehen?

Die Polizei von Hyderabad sagt, sie hätte die Angeklagten zum Tatort geführt, um die Tat rekonstruieren zu können. Die mutmaßlichen Täter hätten die Polizisten angegriffen und hätten versucht zu fliehen. Daher sei es reiner Selbstschutz gewesen.

Das Gefecht ist die Breaking News in allen Nachrichtensendern in Indien. „Dramatische Wendung im Vergewaltigungsfall“ lautet die Bildunterschrift. Der Fernsehsender NDTV hat die Familie des Opfers interviewt.

In diesem Bus saßen laut Reuters die mutmaßlichen Täter.; Foto: Reuters

Aus Indien Mehr über die Vorwürfe gegen die Polizei in Hyderabad

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Schwester: Froh darüber, was die Polizei getan hat

Die jüngere Schwester sagt: „Ich bin sehr froh darüber, wie die Polizei gehandelt hat. Ich finde, sie haben ein gutes Beispiel für die Zukunft gesetzt. Jetzt wird keiner mehr so leichtfertig eine Frau vergewaltigen. Ich danke allen, die uns in den vergangenen Tagen unterstützt haben.“

Viele Menschen in den Sozialen Netzwerken gratulieren den Polizisten. Ein ehemaliger Minister der Hauptstadt Neu-Delhi, Kapil Mishra, dankt der Polizei auf Twitter. „Das ist der Weg, wie man mit Vergewaltigern umgehen muss. Ich hoffe, andere Bundesstaaten lernen von Ihnen!“ Das Video im nachfolgenden Tweet zeigt, wie die Polizisten nach der Tötung gefeiert wurden:

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„Gerechtigkeit“ bei Demos gefordert

Tausende Menschen hatten in den vergangenen Tagen vor der Polizeistation in Hyderabad demonstriert. Aber auch in vielen anderen Städten waren die Menschen auf die Straße gegangen, etwa in der Hauptstadt Neu-Delhi. "Wir wollen Gerechtigkeit" riefen die Männer und Frauen.

Demonstrierende Männer nach der Vergewaltigung in Hyderabad; Foto: Reuters

Demonstrierende Männer nach der Vergewaltigung in Hyderabad

Reuters

Und aus Sicht der Demonstranten sei die erfüllt, wenn die Täter umgebracht würden, sagt auch Babli Marshall. Er ist wie viele extrem wütend, dass die Justiz so lange braucht, um Vergewaltiger zu bestrafen: „Wir fordern die Richter auf: Erhängt die Täter! Es soll kein anderes Gesetz geben, erhängt Vergewaltiger einfach gleich nach ihrer Tat.“

Anwältin: Die Tat wird Mädchen und Frauen nicht weiterhelfen

Zwar sind die Strafen für Vergewaltiger in den vergangenen Jahren verschärft worden. Wenn das Opfer stirbt, können die Täter zum Tode verurteilt werden. Das war auch der Fall bei der brutalen Gruppenvergewaltigung vor sieben Jahren, die weltweit Schlagzeilen gemacht hatte. Allerdings sind die Todesurteile bis heute nicht vollstreckt worden.

Nur wenige Menschen in Indien kritisieren den sogenannten Encounter. Die Anwältin Vrinda Grover fragt in einem Interview beim Nachrichtensender NDTV, wie es sein könne, dass alle vier Angeklagten nun tot seien: „Diese Tat wird uns nicht weiterhelfen. Dadurch können weder Frau noch Mädchen in diesem Land geschützt werden. Im Gegenteil, es gefährdet das Leben aller Menschen hier.“

Frauen bei einer Mahnwache gegen Vergewaltigungen in Hyderabad; Foto: Reuters

Frauen bei einer Mahnwache gegen Vergewaltigungen und für Gerechtigkeit in Hyderabad

Reuters

Schon am Donnerstag war eine Vergewaltigung das Top-Thema in Indien. Eine Frau, die Anfang des Jahres vergewaltigt worden war, war auf dem Weg zum Gericht, um gegen ihre Peiniger auszusagen. Auf dem Weg dorthin hatten mehrere Männer sie niedergeschlagen und in Brand gesteckt. Die Frau ringt nun mit Verbrennungen des schwersten Grades um ihr Leben.