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Etwa 30.000 Migranten hat die Crew des Rettungsschiffes „Aquarius“ auf dem Mittelmeer vor dem Ertrinken bewahrt. Jetzt wird die Mission beendet. Der politische Druck sei zu groß, sagen die Betreiber.

„Eine Reihe von gezielten politischen Angriffen auf die lebensrettende Arbeit der Hilfsorganisation“ sei dieser Entscheidung vorausgegangen, teilte die Hilfsorganisation SOS Méditerranée mit. Allerdings wolle man mit einem anderen Schiff „sobald wie möglich“ zu neuen Einsätzen ausfahren, um Migranten zu retten.

SOS Méditerranée betreibt das Schiff gemeinsam mit „Ärzte ohne Grenzen“. Derzeit liegt die „Aquarius“ im französischen Marseille vor Anker.

Zweimal wurde dem Schiff die Flagge entzogen. Zuletzt warfen italienische Behörden den Betreibern vor, illegal Müll in Italien entsorgt zu haben, und drohten damit, das Schiff zu beschlagnahmen. Die rechtspopulistische Regierung in Italien hat die Häfen des Landes für Seenotretter weitgehend dicht gemacht.

„Armutszeugnis für Europa“

„Wir haben den Höhepunkt der Kriminalisierung von humanitärer Hilfe auf See erreicht. Dass wir jetzt dazu gezwungen sind, den Betrieb der Aquarius einzustellen, während europäische Mitgliedsstaaten ihrer Verantwortung, Menschen im Mittelmeer zu retten, nicht gerecht werden, ist ein Armutszeugnis für Europa“, sagte Verena Papke, Geschäftsführerin von SOS Méditerranée Deutschland.

Nun sollten Möglichkeiten für ein neues Schiff ausgelotet werden. Man sei „auf die Initiative von mutigen Reedereien angewiesen, die bereit sind, ein Zeichen der Solidarität“ zu setzen, sagte Papke.