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Ein Arzt aus Cleveland hat auf einem Flug von Paris nach New York Geburtshilfe geleistet. Bei einer Passagierin hatten in 10.000 Metern Höhe die Wehen eingesetzt, eine Notlandung war nicht möglich.

Dr. Sij Hemal; Foto: The Cleveland Clinic Center for Medical Art

Dr. Sij Hemal arbeitet als Urologe in Cleveland, Ohio.

The Cleveland Clinic Center for Medical Art

Flugbegleiter suchen nach einem Arzt

Damit hat Dr. Sij Hemal sicherlich nicht gerechnet, als er in Paris ein Flugzeug nach New York bestieg. Wie CNN erst jetzt berichtet war der Urologe Mitte Dezember in Neu Delhi gestartet und bereits viele Stunden unterwegs – in Richtung Cleveland im US-Bundestaat Ohio. Der 27-Jährige war müde und hatte sich auf ein Nickerchen und ein Glas Champagner gefreut. Doch daraus wurde nichts: Noch bevor er etwas zu Trinken bestellen konnte, suchten die Flugbegleiter nach einem Arzt an Bord. Hemal stand auf, um zu helfen.

Wehen in 10.000 Metern Höhe

Bei der 41-Jährigen Toyin Ogundipe hatten die Wehen eingesetzt – in rund 10.000 Metern Höhe über der Südküste Grönlands. Hemal wurde zu der Passagierin gebracht. „Als erstes dachte ich, es könnten Nierensteine sein, aber dann sagte sie mir, dass die schwanger sei, und da wusste ich, dass sie Wehen bekommen hat“, berichtet der Arzt dem Sender CNN.

Geburt im Flugzeug; Foto: The Cleveland Clinic Center for Medical Art

Der kleine Jak kam in 10.000 Metern Höhe zur Welt. Eine Kinderärztin an Bord attestierte ihm beste Gesundheit.

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Notlandung nicht möglich

Eine Notlandung auf einer US-Militärbasis auf den Azoren hätte einen zweistündigen Umweg bedeutet, deshalb empfahl Hemal dem Pilot den Kurs auf New York beizubehalten. Die Schwangere wurde in die geräumigere erste Klasse gebracht und Hemal überwachte, gemeinsam mit einer Kinderärztin, die zufällig neben ihm saß, ihren Zustand.

Letzter Ausweg: Geburt im Flugzeug

Die Ärzte nutzten den Notfallkoffer an Bord, die Flugbegleiter kümmerten sich um die 4-jährige Tochter der Schwangeren. Als die Wehen stärker wurden, war den beiden Medizinern bewusst, dass sie das Kind im Flugzeug zur Welt bringen würden. Obwohl Hemal als Urologe tätig ist, hatte er während seiner Ausbildung mehrere Geburten betreut – allerdings nie in einem Flugzeug.

Toyin Ogundipe und Sohn Jak; Foto: The Cleveland Clinic Center for Medical Art

Nach der Landung wurden Mutter und Sohn in ein Krankenhaus gebracht, das sie einen Tag später wieder verlassen konnten.

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Mutter und Kind wohlauf und glücklich

Schließlich brachte Ogundipe einen gesunden Jungen zur Welt. Hemal band die Nabelschnur mit einer chirurgischen Schere und einem Schnürsenkel ab. Die Kinderärztin untersuchte das Neugeborene. Nach der Ankunft in New York wurden die Mutter und ihr Sohn Jak direkt in ein Krankenhaus in der Nähe des Flughafens gebracht.

Dr. Hemal erreichte sogar noch seinen Anschlussflug nach Cleveland, der glücklicherweise weniger spektakulär verlief. Die Airline bedankte sich bei ihm mit einem Reisegutschein und einer Flasche Champagner, den er auf seinem Flug leider nicht genießen konnte.