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Lebensmittelsicherheit in Gefahr? Auswertungen von Foodwatch zeigen, dass viele geplante Kontrollen in Lebensmittelbetrieben nicht stattfinden. Auch der Südwesten bekommt schlechte Noten – besonders Tübingen.

Um Verbraucher vor Hygienemängeln und falsch gekennzeichneten Lebensmitteln zu schützen, sollen Restaurants, Imbiss-Stände oder Lebensmittelhersteller regelmäßig kontrolliert werden.

Zuständig dafür sind die Lebensmittelkontrollbehörden der Stadt- und Landkreise. Doch offenbar kommen diese Ämter bei ihrer Arbeit nicht mehr hinterher.

Hunderttausende Kontrollen fallen wegen Personalmangel aus

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat jede der knapp 400 Behörden nach Daten zu ihrer Arbeit im Jahr 2018 gefragt. Das Ergebnis: Deutschlandweit fielen 2018 250.000 routinemäßige Kontrollen aus – das ist ein Drittel der vorgeschriebenen Lebensmittelkontrollen.

Grund dafür ist in erster Linie der große Personalmangel bei Ämtern. Es gibt einfach nicht genug Kontrolleure und Kontrolleurinnen, um alle vorgeschriebenen Besuche durchzuführen.

Foodwatch: Verbraucherschutz nicht mehr überall gewährleistet

Foodwatch kritisiert, dass durch die fehlenden Kontrollen in vielen Regionen Deutschlands der Schutz der Verbraucher vor unsicheren Lebensmitteln nicht mehr sichergestellt werden könne.

Außerdem sei die systematische Vernachlässigung von Kontrollen auch unfair gegenüber all den Betrieben, die tatsächlich sauber arbeiten und dafür mehr Zeit und Geld investieren als die weniger hygienische Konkurrenz.

Martin Rücker, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation spricht von einem „handfesten politischen Skandal“. Es werde dringend mehr Personal in den Lebensmittelkontrollbehörden benötigt.

40 Prozent aller Kontrollen in Baden-Württemberg fallen aus

Auch der Südwesten schneidet in der Studie von foodwatch nicht gut ab. In Baden-Württemberg mussten die Behörden landesweit vier von zehn Kontrollen ausfallen lassen, also mehr als jede Dritte.

Von den 44 Behörden schafften es nur die Stadt Ulm und der Landkreis Heidenheim, alle Plankontrollen durchzuführen. In den restlichen Landkreisen sieht es schlecht aus. Schlusslicht ist der Landkreis Tübingen: Zwei Drittel aller Lebensmittelkontrollen fallen hier aus.

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Nur vier Landkreise in Rheinland-Pfalz arbeiten planmäßig

In Rheinland-Pfalz ist die personelle Situation der Lebensmittelkontrolleure etwas weniger angespannt als im Ländle. Dennoch fallen auch hier im Schnitt drei von zehn vorgeschriebenen Kontrollbesuchen aus.

Insgesamt schaffen es immerhin vier der 36 Kreise, alle notwendigen Überprüfungen von Lebensmittelbetrieben durchzuführen. Am schlechtesten ist die Lage in Cochem-Zell und im Rhein-Land-Kreis. Beide Landkreise können nicht einmal die Hälfte ihres Solls erreichen.

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In Bremen und Berlin fehlen die meisten Lebensmittelkontrolleure

Ein Lebensmittelkontrolleur überprüft einen Bratwurststand; Foto: picture alliance/Henning Kaiser/dpa

Auch Imbissstände auf Weihnachtsmärkten sollten eigentlich regelmäßig von Lebensmittelkontrolleuren überprüft werden.

picture alliance/Henning Kaiser/dpa

Insgesamt fällt in Deutschland im Schnitt jede dritte vorgesehene Überprüfung von Lebensmittelbetrieben aus.

Am schlechtesten ist die Situation in den beiden hochverschuldeten Stadtstaaten Berlin und Bremen: Nicht einmal 50 Prozent der vorgeschriebenen Kontrollen können hier durchgeführt werden.

Spitzenreiter in der Studie von foodwatch ist Hamburg. Die Hansestadt erreicht eine Erfüllungsquote von bis zu 95 Prozent.

Auch bei Wilke-Wurst fielen Kontrollen aus

Welche Folgen mangelhafte Kontrollen für die Lebensmittelsicherheit haben kann, hat kürzlich erst der Fall der Wurstherstellers Wilke gezeigt. Drei Menschen waren gestorben, nachdem sie mit Listerien verseuchte Wurst gegessen hatten.

Eine Aufarbeitung des Falls hatte klar gezeigt, dass man die Herstellung und den Verkauf der mit Bakterien infizierten Wurstwaren schon viel früher hätte stoppen können – wenn denn alle planmäßigen Kontrollen stattgefunden hätten.