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Christian Kreutzer
Christian Kreutzer, SWR3; Foto: SWR3
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Zwei Jahre lang war das Abstechen der Kampfstiere auf Mallorca verboten. Spaniens Konservative haben jetzt dafür gesorgt, dass das „nationale Kulturgut“ dort aufs Neue erblühen kann.

Die spanische „Stiftung Kampfstier“ spricht von „Barbarei“. Nein, gemeint ist nicht die Tradition, Stiere etwa 20 Minuten lang immer schwerer zu verletzen, bevor sie am Ende mit einem Degen erstochen werden.

„Der Stierkamkpfkunst wird ihre Essenz genommen“

Gemeint war vielmehr das Verbot, die Tiere zu töten. Das Regionalparlament von Mallorca hatte ein solches Verbot vor gut zwei Jahren erlassen. „Der Stierkamkpfkunst wird ihre Essenz genommen – nämlich der Tod“, jammerten die Stiftungsmitglieder.

Stierkampf in Spanien; Foto: picture alliance / AP Photo

Stierkampf in Spanien: Torero Fernando Cruz setzt zum Todesstoß an.

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Vor allem Spaniens Konservative teilen diese Ansicht offenbar im Grundsatz und wollten das Dekret des von Linksparteien beherrschten Regionalparlaments in Mallorcas Hauptstadt Palma nicht hinnehmen. Noch unter dem früheren Ministerpräsidenten Mariano Rajoy rief die Volkspartei (PP) das oberste spanische Gericht an.

Kein „Stierkampf light“ mehr für Mallorca

Ihre Grundlage: 2013 war der Stierkampf zum nationalen Kulturgut erklärt worden. Somit kann nur der Staat – und nicht ein Regionalparlament – darüber entscheiden, ob man das Abstechen der Stiere verbieten und den Zuschauern stattdessen einen „Stierkampf light“ anbieten darf, bei der der Stier überlebt.

Die PP hatte Erfolg: Ende vergangenen Jahres kippt das Verfassungsgericht das Verbot. Die entsprechenden Artikel zum Tierschutz seien verfassungswidrig.

Dabei ist der klassische Stierkampf – die „Corrida“ – auch in Spanien zunehmend umstritten. Vor allem jüngere Spanier interessieren sich kaum noch dafür. Und die Mallorciner hätten gewarnt sein können: Bereits 2016 hatten die Verfassungsrichter klargemacht, dass die spanischen Regionen die „Corridas“ nicht völlig verbieten dürfen. Damals war ein in Katalonien seit 2010 geltendes Stierkampfverbot gekippt worden.

Am 9. August geht es daher in Mallorca weiter, mit dem Sterben und dem Leid in der Arena. Dann wird auf der „Plaza de Toros“ in Palma erstmals seit Juli 2017 wieder eine „Corrida“ stattfinden. Einzige Einschränkung: Minderjährige müssen draußen bleiben.