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Zwei US-Wissenschaftler wurden in den vergangenen Tagen mit einer sensationellen Erkenntnis zitiert: Ein Aufzug zum Mond wäre doch möglich, mit dem Trick, dass das Kabel quasi am Mond hängt. Das Problem: Das haben vor 15 Jahren schon andere Wissenschaftler herausgefunden.

Aufzug; Foto: picture alliance/Lukas Schulze/dpa

Einsteigen, Taste drücken und auf dem Mond aussteigen? Ganz so einfach wird es nicht

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Einsteigen, auf „Mond“ drücken und auf dem Erdtrabanten aussteigen? Ganz so einfach können Weltraumaufzüge nicht funktionieren, weil durch die Drehung der Erde das Aufzugkabel zwischen den beiden Himmelskörpern zerrissen würde.

Aber grundsätzlich könnte man ein Seil zwar nicht vom Mond, aber von einem Satelliten aus über mehrere tausend Kilometer bis auf die Erde herablassen und es als Aufstiegshilfe ins All nutzen.

Seit 60 Jahren erscheinen mehr oder weniger regelmäßig neue Studien dazu – in den letzten Jahren auch deshalb, weil die Entwicklung neuer, hochfester Materialien die Herstellung des dafür notwendigen Kabels in den Bereich des Möglichen gerückt hat.

Das ist dran an den „Erkenntnissen“ der beiden US-Studierenden

Nun haben auch ein Student und eine Studentin in den USA im Detail über einen solchen Aufzug nachgedacht – und werden in Artikeln im Internet und in den sozialen Netzwerken damit zitiert, dass sie die ersten seien, welche die Machbarkeit eines solchen Aufzug in einer anderen Richtung durchdacht hätten als alle Raumforscher zuvor: Nicht mit dem Startpunkt an der Erdoberfläche, sondern auf dem Mond.

Richtig ist jedoch: Diese Idee wurde schon in einer Studie aus dem Jahr 2004 analysiert und als technisch machbar eingeschätzt. Die Ersttat der beiden jungen Amerikaner ist also keine. Die Ehre gebührt vielmehr „alten Füchsen“, die schon seit Jahrzehnten über Weltraumaufzüge forschen.

Jahrelang hätten die Wissenschaftler vor ihnen falsch gerechnet, sagen die Astrophysikstudenten Zephyr Penoyre und Emily Sandson laut Internetportalen wie buisinessinsider.de, thenextweb.com oder nbcnews.com. Auch wir hatten das zunächst so berichtet. Die beiden kommen lediglich in ihren Berechnungen auf ähnliche Ergebnisse wie ihre Vorgänger.

Kabel müsste enormen Kräften standhalten

Das Problem bei Weltraumaufzügen: Das Kabel müsste etwa 322.000 Kilometer lang sein und enormen Kräften standhalten. Es ist schwierig ein Material zu finden, dass es bei der geforderten Länge und mit entsprechendem Gewicht mit der Schwerkraft der Erde hätte aufnehmen können. Zumindest wenn man es von der Erde aus ins Weltall verlegt.

Ein Seil, das in umgekehrter Richtung vom Mond bis in die Erdumlaufbahn reichen würde, müsste weniger starken Kräften widerstehen. Und damit wird die Idee von einem Aufzug auf den Mond doch umsetzbar.

Bleistiftdickes Kabel würde reichen

Dabei reicht ein Kabel aus, das dünner ist als ein Bleistift. Wiegen würde es etwa 44 Tonnen – und könnte mit einer modernen NASA- oder SpaceX-Rakete ins All gebracht werden.
Das ganze Projekt würde ein paar Milliarden Dollar kosten – für Raumfahrt-Milliardäre wie Elon Musk oder Jeff Bezos durchaus finanzierbar.

Ohne Rakete würde es noch nicht gehen

Einziger Wehrmutstropfen an der Geschichte: Zukünftige Mondreisende müssten ihre Reise trotzdem noch mit einer herkömmlichen Rakete starten. Denn das Kabel vom Mond würde in einer geostationären Umlaufbahn über der Erde enden – fast 36.000 Kilometer über dem Meeresspiegel.

Erst in dieser Höhe könnten die Reisenden in den eigentlichen Aufzug zum Mond einsteigen. Die Wissenschaftler stellen sich ein Roboterfahrzeug bis auf den Mond vor, in dem die Reisenden dann zu ihrem Ziel gebracht würden. Und diese Reise im Aufzug würde viele Tage dauern.

Gewaltige Kostenersparnis

Finanziell wäre diese Idee vom Aufzug ein gewaltiger Schritt. Denn momentan liegen die Transportkosten von der Erde zum Mond zwischen 12.000 und 80.000 US-Dollar pro Kilo Fracht. Mit dem Aufzug ließen sich die Kosten auf etwa 200 US-Dollar pro Kilo minimieren.
Dieser Aufzug wäre aber nicht nur wichtig, um den Mond in Zukunft einfacher zu erreichen. Auch zukünftige Missionen zum Mars oder auch zu anderen Planeten würden von der Erfindung eines Mond-Aufzuges profitieren.

Mond ist wichtiger Punkt für Weltraumreisen

Andreas Schütz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt sagte SWR3, der Mond diene bei vielen Konzepten als Absprungpunkt Richtung Weltall. „Wir können zurzeit den Mond noch nicht einmal direkt mit einer Rakete erreichen. Da muss immer noch eine Landefähre mitfliegen, mit der man den Mond erreichen kann.“

Deswegen sehen viele Konzepte für Mars-Missionen den Mond als eigentlichen Startpunkt Richtung Mars. „Allerdings sind das alles noch keine Missionen. Zuerst muss man auf dem Mond ein passendes Gelände finden, dann eine Raumstation bauen und erst dann kann man auf andere Planeten fliegen – theoretisch“, sagt Schütz.

Ein Aufzug auf den Mond könnte dabei helfen, den Mond als Außenposten der Erde attraktiv zu machen und von dort aus dann das Weltall zu erobern.