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Christian Kreutzer
Christian Kreutzer, SWR3; Foto: SWR3
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In China hat es ein prominentes Opfer des Coronavirus gegeben. Dabei geht es um den Augenarzt Li Wenliang, der schon Ende Dezember vor dem Virus gewarnt hatte. Für viele gilt er jetzt als Held – und die Behörden stehen erneut als Betrüger da.

Li Wenliang auf dem Sterbebett; Foto: Reuters

Li Wenliang auf dem Sterbebett

Reuters

Der Arzt und sieben weitere Teilnehmer einer Online-Diskussionsgruppe von Medizinern hatten Ende Dezember vor dem Virus gewarnt. Danach wurde er von der Polizei vorgeladen und verwarnt. Außerdem musste Wenliang unterschreiben, dass er nichts mehr über den Ausbruch enthüllen würde. Später infizierte sich der Arzt selbst bei einer Patientin, die er wegen eines Glaukoms untersuchte.

Behörden verschwiegen den Tod noch stundenlang

Bereits am 10. Januar berichtete er vom Ausbruch seiner Krankheit, die jedoch erst Wochen später als Corona-Infektion bestätigt wurde. Vom Bett aus bloggte Wenliang weiter. Auch seine Eltern hatten sich derweil angesteckt. Gesund ist scheinbar seine Frau, die laut chinesischen Medien im Juni ein Kind erwartet.

Alle Bemühungen ihn zu retten, seien vergeblich gewesen, berichtete das Zentrale Krankenhaus von Wuhan. Doch selbst um seinen Tod gab es noch ein unwürdiges Hin und Her: Scheinbar starb er schon gegen 21 Uhr Ortszeit. Die Behörden sollen indes verboten haben, den Tod zu melden. So wurde noch rund fünf Stunden lang behauptet, Wenliang werde nach wie vor behandelt.

Jetzt protestieren Tausende auf der chinesischen Social-Media-Seite Weibo gegen die Behörden, die sich zwischenzeitlich bei dem Augenarzt entschuldigt haben. Viele hoffen jetzt, der Tod des 34-Jährigen, den viele als Helden ansehen, werde in China einiges zum Guten wenden und zu einer offeneren und freieren Atmosphäre führen.

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Blogger sorgt für Aufsehen

Während die chinesische Regierung sagt, man habe die Lage im Griff, sieht das ein chinesischer Blogger anders: Mit einem Video wollte er zeigen, wie die Situation in Wuhan wirklich aussieht. Blogger Fang Bin hat sie in einem Krankenhaus in Wuhan, der Stadt in der das Virus wohl ausgebrochen ist, gedreht. Darin zu sehen: gestapelte Leichensäcke und weinende Angehörige.

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„Es ist schlimmer, als sie sagen“

Fang Bin will nach eigener Aussage mit Videos wie diesen erzählen, was in China wirklich passiert. In einem Facetime-Interview sagte er:

Die Nachrichten, die wir bekommen, erfassen nicht die wirkliche Situation in ganz China. Die Lungenkrankheit in Wuhan ist ein Gesundheitsnotstand, der die ganze Welt betrifft.

Fang Bin, chinesischer Blogger

Besonders brisant: Am Abend nach seinen Filmaufnahmen in den Krankenhäusern kommen mehrere Männer in Schutzanzügen in Bins Wohnung in Wuhan – sie nehmen ihm Laptop und Handy weg und bringen ihn zur Polizeistation. Der Verdacht: Bin könnte ein vom Ausland bezahlter Staatsfeind sein.

Mittlerweile ist Bin wieder frei – allerdings steht er 14 Tage unter Quarantäne in seiner Wohnung in Wuhan.