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Frauen müssen in Formularen nicht in weiblicher Form angesprochen werden. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden. Geklagt hatte die 80-jährige Marlies Krämer. Von männlichen Formulierungen wie „Kunde“ oder „Kontoinhaber“ fühlt sie sich nicht angesprochen.

In Formularen der Sparkasse darf weiterhin nur die männliche Form wie „Kunde“ oder „Kontoinhaber“ verwendet werden. Ein Recht auf eine weibliche Ansprache in unpersönlichen Vordrucken gibt es nicht.

Benachteiligung durch männliche Anrede?

Geklagt hatte Marlies Krämer. Sie wollte, dass sie als Frau auch auf Formularen mit „Kontoinhaberin“ oder „Kundin“ angesprochen wird. Die 80-jährige Sparkassen-Kundin aus dem Saarland fühlt sich durch die ausschließlich männliche Anrede benachteiligt.

Marlies Krämer vor dem Bundesgerichtshof.; Foto: dpa/picture-alliance

Sie kämpft für Gleichberechtigung. Klägerin Marlies Krämer zu Beginn der Verhandlungen im Februar.

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Die Richter in Karlsruhe sehen in der verallgemeinernden Ansprache keine Benachteiligung. Die Anrede „Kunde“ sei weder ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht noch ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz, argumentierte das Gericht.

Kämpferische Frau

Auch wenn das Gericht nicht für Krämer entschieden hat – die 80-Jährige will weiterkämpfen und notfalls sogar vor den Europäischen Gerichtshof ziehen. „Ich sehe das überhaupt nicht mehr ein, dass ich als Frau totgeschwiegen werde. Ich will es jetzt wissen“, sagte sie in einem Interview vor der Urteilsverkündung.

Weibliche Wetter-Hochs dank ihr

Dass sie solche Schlachten für sich gewinnen kann, zeigte Krämer schon öfter. In den 90er Jahren verzichtete sie so lange auf einen Pass, bis sie als „Inhaberin“ unterschreiben konnte. Und dass Wetter-Hochs abwechselnd weibliche und männliche Namen tragen, ist ebenfalls ihr zu verdanken. Sie sammelte Unterschriften und erreichte damit, dass Frauennamen nicht nur für Wetter-Tiefs verwendet werden.

SWR3-Radioblogger Klaus Sturm zum BGH-Urteil

Autor
Amelie Heß
Autor
SWR3