Mancher fährt gern ein knallrotes Cabrio, andere ein silbergraue Limousine – und wieder andere denken: Egal, Hauptsache es fährt. Ganz egal scheint die Farbe aber nicht zu sein: Autos mit bestimmten Farben sollen häufiger in Unfälle verwickelt sein als andere.

Taxis in Singapur gibt es in zwei Ausführungen: heidelbeerblau oder kanariengelb. Die blauen und gelben Taxis in Singapur sind ungefähr gleich verteilt. Ideale Voraussetzungen für eine wissenschaftliche Studie, fanden Verhaltensforscher an der dortigen Nationalen Universität. Drei Jahre lang haben sie die Unfallstatistik des marktführenden Taxiunternehmens ausgewertet – ihm gehören 60% der Singapurer Taxis.

Retten umgespritzte Taxis Menschenleben?

Das Ergebnis: Blaue Taxis in Singapur bauen mehr Unfälle als die gelben. Auf 1.000 blaue Taxis kommen pro Monat im Schnitt 72 Unfälle. Gegenüber 66 bei den gelben. Ein gelbes Taxi hat somit eine um 9 % geringere Unfallwahrscheinlichkeit. Am wahrscheinlichsten sei es, so die Forscher, dass die gelben Taxis im Verkehr einfach besser wahrgenommen werden. Bei Auffahrunfällen werde das besonders deutlich: Es fahren mehr Autos von hinten auf ein blaues Taxi als auf ein gelbes, die Sichtbarkeit scheint also ein wichtiger Faktor zu sein. Die Forscher folgern daraus: Das Umspritzen aller Taxis könne Unfälle verhindern und sogar Menschenleben retten.

Yellow Cabs in New York; Foto: picture-alliance / dpa

„Yellow Cabs“ in New York: Gelbe Taxis sind laut einer neuen Studie in weniger Unfälle verwickelt als blaue.

picture-alliance / dpa

Zweifel an der Studie

Experten zweifeln aber am Ergebnis der Studie. Der Verkehrs- und Farbpsychologe Johannes Vetter hält einen Zusammenhang zwischen Autofarbe und Unfallhäufigkeit für unwahrscheinlich. „In den 70er-Jahren waren die Unfallhäufigkeiten sehr viel höher als heute und wir hatten wahnsinnige Autofarben: orange-rot, knallgelb, alles mögliche“, sagte Vetter im SWR. „Dass man von der Autofarbe auf die Unfallhäufigkeit schließen kann, halte ich für sehr gewagt.“ Wenn alle Autos auffällige Farben hätten, sei der Effekt weg. Daher solle niemand sein Auto aus Sicherheitsgründen in Signalfarben umlackieren:

„Wenn Sie in einem Auto sitzen, das Ihnen gefällt, dann fahren Sie sicherer als wenn Sie in einem Auto sitzen, das Ihnen nicht gefällt.“ 

Johannes Vetter

Siegfrid Brockmann leitet die Unfallforschung der Versicherer. Auch er zweifelt an der Studie aus Singapur. Im Gespräch mit SWR3 sagt Brockmann: „Wir alle glauben, dass der Einfluss des Fahrers viel bedeutender ist als die Farbe.“