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Laura Bisch
Laura Bisch, SWR3; Foto: SWR3
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Die Weltbevölkerung wächst, die Naturkatastrophen werden nicht weniger – doch im Vergleich zu früher kommen dadurch weniger Menschen ums Leben. Wie ist das möglich?

2019 verloren weltweit rund 9.000 Menschen bei Naturkatastrophen ihr Leben. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten neuen Naturkatastrophenbericht des Rückversicherers Munich Re hervor.

Mehr als 1.000 der Todesopfer seien dabei beim folgenschwersten Sturm des Jahres umgekommen – dem Zyklon Idai, der im März Mosambik, Zimbabwe und Malawi traf.

Weniger Opfer als früher

Obwohl rund 9.000 Todesopfer viele Menschenleben bedeutet, ist die Zahl im Gegensatz zu der aus vergangenen Jahren vergleichsweise niedrig. Zum Vergleich: Der rechnerische Durchschnittswert liegt bei 52.000 Naturkatastrophen-Toten pro Jahr. Außerdem auffällig: Dass auf der einen Seite weniger Menschen sterben, steht dem entgegen, dass es weltweit mehr Menschen gibt.

Warum sterben weniger Menschen, obwohl es mehr gibt?

Für den Rückgang der Zahl des Todesopfer durch Naturkatastrophen gibt es nach Einschätzung von Ernst Rauch, Chef der Klimaforschung und Geowissenschaften bei dem Münchner Unternehmen, mehrere Gründe. Das bestätigt auch SWR-Umweltredakteur Werner Eckert.

1. Bessere Warnsysteme: „Ganz entscheidend sind die Warnung der Bevölkerung und die Evakuierung, die wesentlich besser funktionieren als in früheren Jahrzehnten“, sagte Rauch. In Bangladesch habe es 1991 einmal einen Zyklon mit mehr als 100.000 Todesopfern gegeben – das sei heute viel unwahrscheinlicher.

SWR-Umweltredakteur Werner Eckert sagt außerdem, dass auch bessere Wettervorhersagen dazu führen, dass weniger Menschen ihr Leben wegen einer Naturkatastrophe verlieren. Außerdem würden Wettervorhersagen und Vorwarnsysteme heutzutage längst nicht mehr nur in reichen Ländern eingesetzt.

2. Es wurde besser gebaut: In der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts haben Überflutungen die meisten Menschenleben gekostet, erklärt Eckert weiter. Nachdem heute mehr Hochwasser-Vorsorge betrieben wird, sind jetzt die Erdbeben am folgenreichsten. Da böten erdbebensichere Gebäude allerdings schon heute mehr Schutz.

Materielle Schäden nehmen zu

Es sterben zwar weniger Menschen bei Naturkatastrophen, die materiellen Schäden aber wachsen drastisch weiter: Diese summierten sich – laut dem Rückversicherer – im vergangenen Jahr auf 150 Milliarden Dollar – das entspreche dem langjährigen Durchschnitt. In Europa hätten Hitzewellen und Gewitter demnach im Sommer Schäden von 2,5 Milliarden Dollar nach sich gezogen, heißt es in dem Bericht weiter.

Auffällig ist nach Einschätzung der Munich Re auch die Entwicklung in Japan. „Dort hatten wir im zweiten Jahr hintereinander Rekordschäden durch Taifune“, sagte Rauch. Dort seien in manchen Gebieten während des Taifuns Hagibis innerhalb von 24 Stunden mehr als 1000 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. „Das ist mehr als der durchschnittliche Niederschlag eines ganzen Jahres in Deutschland.“ Hagibis war mit Schäden von 17 Milliarden Dollar auch die teuerste Naturkatastrophe des vergangenen Jahres.

Rückschlüsse auf den Klimawandel möglich?

Dass solche Mengen an Starkregen fallen, lässt sich im weitesten Sinne auch auf den Klimawandel zurückführen, erklärt SWR-Umweltredakteur Werner Eckert. Der Klimawandel lasse nämlich die Meeresspiegel steigen – aktuell um drei bis vier Millimeter im Jahr. Das verschärfe wiederum Wirbelstürme und Starkregen, so Eckert.

Auch der Rückversicherer zieht Parallelen zum Klimawandel: „Ein tropischer Wirbelsturm ist vereinfacht gesagt nur ein sehr intensives Tiefdruckgebiet“, sagte Rauch.

Die Zugbahnen von Tiefs und Hochdruckgebieten haben sich in den vergangenen Jahren verlangsamt. Solche Änderungen können zu risikoreichen Wetterlagen wie Hitzewellen oder langandauernden Starkniederschlägen führen.

Ernst Rauch, Chef der Klimaforschung und Geowissenschaften bei Munich Re

In Mitteleuropa und Nordamerika haben nach den Daten des Unternehmens Hagel und konvektive Ereignisse - das sind Gewitter - in einigen Regionen an Stärke und Häufigkeit zugenommen. „Die Indizienkette geht dahin, dass es sehr wahrscheinlich einen Zusammenhang mit dem Klimawandel gibt.“

Eine weitere Auffälligkeit seien die Feuer in Australien, sagte Rauch. Dort seien Buschbrände im Sommer nichts Ungewöhnliches – ungewöhnlich sei aber der frühe Start in die Feuersaison und die Dimension.

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