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Kerstin Welter
Kerstin Welter; Foto: Kerstin Welter
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Ein romantisches Wochenende in Paris verspricht so einiges – nur nicht ungebetene Bettgefährten. Doch die fühlen sich offenbar wie Gott in Frankreich. Deswegen greift der Staat jetzt ein.

Liebespaare und zerwühlte Betten mit Blick auf dein Eiffelturm: Das Image der französischen Hauptstadt lebt auch vom Rückzug in die Schlafgemächer. Allerdings schiebt sich in dieses Bild immer öfter auch ein Kammerjäger, denn ganz Frankreich kämpft mit einer massenhaften Vermehrung von Bettwanzen.

In Hotelbetten wie diesem fühlen sich Bettwanzen oft wohl ; Foto: imago images / Photocase

Ein Hotelbett als Refugium – in Frankreich sehen das vermehrt auch Bettwanzen so.

imago images / Photocase

Kammerjäger rückten Hundertausende Male aus

Allein in Paris gingen Schädlingsbekämpfer im Jahr 2018 an rund 400.0000 Adressen gegen Bettwanzen vor, darunter auch in vielen Hotels. Das ist ein Anstieg um ein Drittel im Vergleich zu 2017. Und die Vermehrung scheint ungebremst. Deswegen hat die französische Regierung ihren Bürgern und Touristen jetzt offiziell Hilfe angeboten: per Notruftelefon und Webseite. „Der Staat lässt Euch nicht im Stich“ steht dort auf Französisch.

Dass es jetzt einen nationalen Aktionsplan gibt, wird auch in den sozialen Medien fleißig kommentiert. Manche Nicht-Franzosen können dabei sogar dem Klang des französischen Worts für Bettwanzen, „punaises de lit“ etwas poetisches abgewinnen.

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Weniger poetisch sind allerdings die Bisswunden der nachtaktiven Bettwanzen: Sie jucken und können sich entzünden, wenn man daran kratzt. Außerdem können die Bisse – oft mehrere in einer Reihe – allergische Reaktionen auslösen.

Hotline und Infos für Bettwanzen-Geplagte

„Bettwanzen sind mit bloßem Auge erkennbar und üblicherweise braun“, schreibt die zuständige Behörde, das Ministère de la Cohésion des territoires auf der Hilfeseite. „Sie springen nicht und fliegen nicht, ihre Lebensdauer beträgt durchschnittlich fünf bis sechs Monate.“ Um die Bettwanzen oder deren Eier loszuwerden, empfiehlt die Regierung, Wäsche über 60 Grad zu waschen oder sie einzufrieren, außerdem Räume mit mit heißem Dampf zu reinigen.

Sind die winzigen Tierchen erst mal eingezogen, wird man sie nur schwer wieder los. Sie finden sich in Betten, verstecken sich hinter Bildern, unter Möbeln oder in Ritzen. Reisen können sie auch: Zum Beispiel im Gepäck, aber auch durch gebrauchte Kleidung oder antike Möbel. Bettwanzen-Verstecke sind an schwarzen Kottropfen zu erkennen.

In den 50er Jahren verschwunden – und jetzt wieder da

Die Bettwanze galt vor einigen Jahrzehnten als so gut wie ausgerottet, aus Frankreich war sie seit den 1950er Jahren verschwunden. Dass sie sich jetzt wieder so ausbreitet, hat nach Angaben der Regierung unter anderem mit dem Verbot hochgiftiger Insektenvernichtungsmittel zu tun und dem weltweiten Reiseaufkommen.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes breiteten sich die Blutsauger zuletzt auch in Deutschland wieder vermehrt aus.