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Große, auffällige Schilder lassen die Shopping-Herzen höher schlagen: „Nur heute 30 % auf alles“, „Kauf drei, bezahl zwei“. Es ist Black Friday und der Trend aus den USA ist längst auch in Deutschland angekommen. Aber warum können wir Schnäppchen nicht widerstehen?

Seit Tagen arbeitet der Online- und Einzelhandel daran, uns scharf zu machen auf den Black Friday. Ab Freitag sollen die Sonderaktionen in den Geschäften wieder für milliardenschwere Einnahmen sorgen. Einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro erwartet der Branchenverband HDE für dieses Jahr. Das sind 15 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.

Verstand aus, „Kaufemotion“ an

Wer bei den vielen Angeboten genau hinschaut, stellt aber fest, dass die Angebote oft gar nicht so günstig sind. Aber wenn die bunten Prozentzeichen im Auge knallen, schaltet der Verstand schonmal ab, sagt Michael Deppe, Neurowissenschaftler an der Uni Münster im SWR. Rabatte regten das Belohnungssystem im Hirn an. Die Folge, wir reagieren emotional – der Verstand werde quasi ausgeschaltet, erklärt er.

Diese emotionale Reaktion findet an den gleichen Schlüsselstellen statt, wo auch Drogen wie Kokain oder Ecstasy wirken.

Michael Deppe, Neurowissenschaftler

Zeitdruck, wie eine tickende Uhr, die anzeigt, wie lange dieses oder jenes Schnäppchen noch gilt, würde diesen Effekt zusätzlich verstärken. „Emotionen sind ein Entscheidungs-Booster und durch die Verknappung der Zeit oder ein Hochzählen eines Counters wird genau dieser Trieb in uns freigesetzt. Die Reaktion wird noch emotionaler.“

Menschenmassen in einem Elektronikmarkt in Brasilien.; Foto: dpa/picture-alliance

Mittlerweile ist der Kampf um die Schnäppchen am Black Friday, so wie hier in einem Elektronikgeschäft in Brasilien, beinahe ein weltweites Phänomen.

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Instinkte aus der Urzeit

Diese Instinkte, bzw. die „Verknappung des Verstandes“, wie Deppe es nennt, sei ein Relikt aus der Urzeit. „In unserer Vorgeschichte hat sie vielleicht unser Leben gerettet, jetzt dient diese Funktion teilweise für Einkäufe, die wir vielleicht später bereuen.“

Die Lösung? Finger davon lassen!

Eine Möglichkeit, diesen Instinkt zu umgehen, gebe es nicht wirklich, sagt der Neuro-Experte. „In der heißen Entscheidungsphase ist man eher machtlos.“ Helfen könnten Rituale beziehungsweise der Vorsatz, an solchen Tagen gar nichts zu kaufen. Deshalb lieber abwarten, Preise vergleichen und in Ruhe das kaufen, was man wirklich braucht.

Kritiker des Black Friday befürchten ohnehin, dass die vielen Einkäufe im November zu Lasten des restlichen Weihnachtsgeschäftes gehen. Und es gibt auch diejenigen, die den Black Friday am liebsten in einen „Kauf-Nix-Tag“ umwandeln wollen.

Mitarbeiter von Amazon am Standort Bad Hersfeld. ; Foto: dpa/picture-alliance

Mit dem Black Friday beginnt auch bei Amazon der Start in die Weihnachtsshopping-Zeit, Überstunden inklusive. Verdi fordert, der Einsatz der Beschäftigten müsse besser honoriert werden.

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Stressigste Zeit des Jahres

Es gibt außerdem noch einen anderen Aspekt, den man beachten sollte: Für die Mitarbeiter von Onlineversandhändlern wie Amazon, beginnt mit dem Black Friday die stressigste Zeit des Jahres. Um auf die schlechten Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen und die Forderung nach einem Tarifvertrag erneut zu bekräftigen, hat die Gewerkschaft Verdi bei Amazon zum Streik aufgerufen. Mit dem Arbeitsbeginn der Nachtschicht hat der Ausstand am Amazon-Standort Bad Hersfeld in Hessen begonnen.

Verdi kämpft seit Jahren dafür, dass die Amazon-Beschäftigten einen Tarifvertrag bekommen und nach dem Tarif für den Einzel- und Versandhandel bezahlt werden. Amazon lehnt dies bislang ab.