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Björn Widmann
Björn Widmann, SWR3; Foto: SWR3
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Brennende Mülltonnen, Straßenblockaden und fliegende Steine: Schon die dritte Nacht in Folge ist es in Katalonien zu schweren Ausschreitungen gekommen. Regierungschef Quim Torra fordert ein Ende der Krawalle.

Quim Torra; Foto: picture alliance/David Zorrakino/Europa Press/dpa

Der katalanische Regionalpräsident Quim Torra verurteilt die Ausschreitungen

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Die Demonstranten protestieren für ihre Unabhängigkeit: Die Katalanen wollen sich von Madrid nichts mehr diktieren lassen. Grundsätzlich ist das auch die Linie, die die Regionalregierung in Barcelona gut findet. Wie die Demonstranten ihren Forderungen Druck verleihen, geht den Politikern in Katalonien aber viel zu weit.

„Das muss sofort aufhören. Es gibt weder einen Grund oder eine Rechtfertigung dafür, Autos in Brand zu stecken, noch für andere vandalische Aktionen“, kritisierte Kataloniens Regionalpräsident Quim Torra die Ausschreitungen. Die Unabhängigkeitsbewegung sei immer gegen Gewalt gewesen, daran habe sich nichts geändert: „Die Zwischenfälle, die wir auf unseren Straßen erleben, kann man nicht zulassen.“

Video: Dritte Gewaltnacht in Katalonien

Schwerverletzter Demonstrant in Tarragona

Die Demonstranten bewarfen Polizisten mit Brandsätzen, bauten Straßenblockaden auf und zündeten Autos an. In Tarragona wurde ein Demonstrant von einem Polizeiauto angefahren. Er habe ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten, teilte die katalanische Regionalpolizei auf Twitter mit.

Es müsse friedlich gegen das „ungerechte Urteil“ aus Madrid demonstriert werden, sagte Regionalpräsident Torra. Er wollte radikale Aktivisten der „Komitees zur Verteidigung der Republik“ aber nicht direkt kritisieren, sondern machte stattdessen eingeschleuste „Provokateure“ für die Ausschreitungen verantwortlich.

Demonstrationen nach Gerichts-Urteil

Schon in der Nacht zum Mittwoch gab es in Katalonien Ausschreitungen. In Barcelona waren es etwa 40.000 Demonstranten, in Girona etwa 9.000. Sie protestierten gegen die hohen Haftstrafen für die Anführer der Unabhängigkeitsbewegung. Das Oberste Gericht in Spanien verurteilte neun Politiker zu Haftstrafen von bis zu 13 Jahren.

Viele Demonstranten hatten Kerzen angezündet, sangen die katalanische Hymne und skandierten „Freiheit für politische Gefangene“. In Barcelona eskalierten die Proteste: Einige Kundgebungsteilnehmer warfen Steine, Mülleimer und Leuchtfackeln auf die Polizisten, und versuchten eine Barriere vor dem Sitz der Vertretung der Madrider Zentralregierung zu durchbrechen. Sie zündeten Autoreifen und Mülltonnen an und errichteten Straßenblockaden.

Schon am Montag hatten Demonstranten den Flughafen in Barcelona lahmgelegt, Flüge mussten gestrichen werden. Die Gewerkschaft IAC kündigte für Freitag einen Generalstreik an.

Bis zu 13 Jahre Haft für Separatistenführer

Der Oberste Gerichtshof in Spanien hatte am Montag neun Anführer der katalanischen Separatisten wegen Aufruhrs zu neun bis 13 Jahren Haft verurteilt. Im Oktober 2017 hatte eine Mehrheit bei einer Volksabstimmung für die Ablösung Kataloniens von Spanien gestimmt. Daraufhin wurden die Regierungsgeschäfte kommissarisch von Madrid übernommen und einige Separatistenführer verhaftet.

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Björn Widmann
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Katharina Kunz
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