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Lena Seiferlin
Lena Seiferlin, SWR3; Foto: SWR3
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Der Präsident von Brasilien, Bolsonaro, hat Schauspieler DiCaprio bezichtigt, Waldbrände im Amazonasgebiet finanziert zu haben. Entsprechende Beweise dafür fehlen.

Es sind schwere Anschuldigungen, die der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro da vorbringt. „Leonardo DiCaprio ist ein netter Kerl, oder?“, fragte er in die Runde von Anhängern vor der Präsidentenresidenz. „Geld geben, um den Amazonas in Brand zu stecken.“ Fügte er mit gedanklichen Pünktchen am Satzende hinzu.

Keine Beweise von Bolsonaro

Der rechte Präsident bezog sich mit seinen Anschuldigungen offenbar auf Beiträge im Netz. Dort hieß es, die Umweltschutzorganisation WWF habe freiwilligen Feuerwehrleuten Geld für dramatischere Bilder der Waldbrände bezahlt. Damit sollten den Posts zufolge mehr Spenden eingesammelt werden. Unter anderem von Leonardo DiCaprio. Doch Beweise dafür lieferte Bolsonaro nicht.

Schon im August hatte er Nichtregierungsorganisationen beschuldigt, für die Brände verantwortlich zu sein. Einen Beleg blieb er auch damals schuldig.

Jair Bolsonaro, Präsident von Brasilien, wirft Leonardo Dicaprio vor, Waldbrände im Amazonas finanziert zu haben.; Foto: picture alliance/O Globo/GDA via ZUMA Wire/dpa

Jair Bolsonaro, Präsident von Brasilien, wirft Leonardo DiCaprio vor, Waldbrände im Amazonas finanziert zu haben.

picture alliance/O Globo/GDA via ZUMA Wire/dpa

WWF und DiCaprio dementieren

Der WWF wies die Vorwürfe zurück. „Korruption war und ist die Hauptursache für die Zerstörung des Amazonasgebiets, für Landraub, Gewalt gegen lokale Gemeinschaften und indigene Völker, illegale Aktivitäten und Holzdiebstahl“, hieß es in einer Mitteilung. „Was wir von der Regierung erwarten, ist der Mut, das Problem der Brandstiftung und der Bodenspekulation anzugehen.“

DiCaprio teilte mit, dass die Menschen in Brasilien, die dafür arbeiten, ihr natürliches und kulturelles Erbe zu bewahren, Unterstützung verdienen. Der angesprochenen Organisation habe er aber nicht gespendet.

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Internationale Kritik an Brasiliens Regierung

Bolsonaro und seine Regierung stehen wegen der Feuer mit dem Rücken zur Wand. Internationale Kritik und Bestürzung auf der ganzen Welt waren die Folge der heftigen Waldbrände. Der Präsident gilt als enger Verbündeter der Landwirtschaftslobby und sieht im brasilianischen Regenwald vor allem wirtschaftliches Potenzial.

Große Teile der noch bewaldeten Flächen will er für Landwirtschaft, Bergbau und Energiegewinnung erschließen. Umweltschutzorganisationen zufolge ermutige er damit Holzfäller und Farmer zur Abholzung und Brandrodung.

Feuerwehrleute wegen Verdachts der Brandstiftung festgenommen

Erst vor wenigen Tagen wurden Angehörige der freiwilligen Feuerwehr festgenommen. Sie standen im Verdacht, Brände gelegt zu haben, um unter anderem vom WWF Spendengelder zu bekommen. Die Kriminalpolizei hatte mitgeteilt, dass Videos, Telefonmitschnitte und andere Dokumente vorhanden seien, die das belegten.

Die Staatsanwaltschaft stellte später klar, dass es keinerlei Grundlage für diese Vorwürfe gebe. Die Männer wurden daraufhin wieder freigelassen.