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Laura Bisch
Laura Bisch, SWR3; Foto: SWR3
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Es war ein historischer Moment: In der Nacht von Freitag auf Samstag hat Großbritannien offiziell die Europäische Union verlassen. Das Tauziehen mit der EU dürfte aber weitergehen – nämlich in der Frage, wie es nach dem Ablauf der Übergangsfrist weitergeht.

Seit dem Brexit am Wochenende läuft eine Übergangsfrist bis Ende des Jahres, in der sich im Alltag erst mal praktisch nichts ändert. Was dann passiert, davon haben die Verhandlungspartner offensichtlich ziemlich unterschiedliche Ansichten. Im Laufe des Tages will Premierminister Boris Johnson erklären, wie er sich die künftigen Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union vorstellt.

Die EU hat das schon getan: Die EU werde jeglichen Zugang zu ihrem Markt für britische Produkte direkt mit dem Zugang für Schiffe aus der EU zu britischen Gewässern verknüpfen. Das kündigte EU-Chefunterhändler Michel Barnier am Montag an und unterstrich damit die Schwierigkeiten, die bei den Verhandlungen mit London in den kommenden Monaten zu erwarten sind.

Fischereirechte sind zentral für Handelsabkommen

Es werde kein Handelsabkommen mit den Briten geben, „wenn es kein gegenseitiges Zugangsabkommen für unsere Fischer gibt“, sagte Barnier dem französischen Rundfunksender France Inter. Die Fischereirechte waren schon im langen Ringen um den Brexit auch in Großbritannien eines der wichtigsten Themen. Der Zugang für europäische Fischer zu britischen Gewässern werde zeitgleich mit dem Zugang zu europäischen Märkten für britische Fischereiprodukte verhandelt. „Ich hoffe, ich habe mich klar ausgedrückt“, sagte Barnier. Die EU ist bereit, Großbritannien vollen Zugang zu ihrem Binnenmarkt zu gewähren – allerdings nur, wenn sich das Land an EU-Standards hält.

Johnson will sich nicht auf EU-Standards einlassen

Boris Johnson; Foto: picture alliance/Paul Ellis/PA Wire/dpa

Premier Boris Johnson freut sich über den Brexit.

picture alliance/Paul Ellis/PA Wire/dpa

In einem Auszug einer Rede, die Johnson am Montag halten will, steht allerdings, Johnson wolle sich auf keinen Fall vertraglich auf die Einhaltung von EU-Standards in Sachen Umweltschutz, Arbeitnehmerrechten oder staatlichen Wirtschaftshilfen festlegen lassen.

Es gebe für Großbritannien genauso wenig Grund wegen eines Freihandelsabkommens die Regeln der EU in Kauf zu nehmen wie andersherum, so Johnson. Kommt keine Einigung mit der EU zustande, droht ein harter Bruch, also ein No-Deal-Szenario, mit schweren Folgen für die Wirtschaft.

Brexit-Hardliner feierten am Wochenende

Auch am Wochenende gab es unterschiedliche Ansichten und Emotionen angesichts des Brexits: Die einen haben den EU-Austritt ausgiebig gefeiert – andere zeigten weiter Widerstand. In London versammelten sich dazu schon am Freitagabend Tausende Menschen vor dem Parlament.

Die Teilnehmer zählten die Minuten und Sekunden, bis zum Brexit und sangen „Land of Hope and Glory“, überall wurden Union-Jack-Flaggen geschwenkt.

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Brexit-Gegner trauern dagegen

Bild von Brexit-Gegnern bei einem Protestzug am Freitag in London; Foto: picture alliance/Christoph Meyer/dpa

Brexit-Gegner demonstrierten am Freitag in London.

picture alliance/Christoph Meyer/dpa

Es gab aber auch andere Reaktionen: von denen, die gegen den Brexit sind. Einige von ihnen versammelten sich ebenfalls in der Nähe des Londoner Parlaments und hielten dort Mahnwachen ab.

Vor dem schottischen Parlament in Edinburgh wurde die Europaflagge in der Nacht zum Samstag nicht eingeholt. Die Abgeordneten wollten sie als Symbol des Widerstands gegen den Brexit hängen lassen.

In der Brexit-Frage ist das Vereinigte Königreich gespalten: Beim Referendum vor mehr als dreieinhalb Jahren stimmten England und Wales mehrheitlich für den Austritt – Schottland und Nordirland hingegen für den Verbleib in der Europäischen Union.

Johnsons veröffentlich Videobotschaft zum Brexit

Johnson selbst nahm an keiner öffentlichen Feier zum Brexit teil. Er veröffentlichte stattdessen eine vorproduzierte Videoansprache im Internet. Darin kündigte er an, den Brexit zu einem „unfassbaren Erfolg“ zu machen, der Austritt bedeute einen Neuanfang, kein Ende. „Es ist ein Moment der echten nationalen Erneuerung und des Wandels“, so Johnson. Seine Aufgabe sei es nun, Großbritannien wieder zusammenzubringen.

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Farage zum Brexit: wichtigster Moment der modernen Geschichte

Bild von Nigel Farage, dem Gründer der Brexit-Partei; Foto: picture alliance/Frank Augstein/AP/dpa

Nigel Farage, Gründer der Brexit-Partei

picture alliance/Frank Augstein/AP/dpa

Im Regierungssitz, der Downing Street, gab es einen Empfang, bei dem englischer Schaumwein und britische Spezialitäten auf dem Menü standen.

Der Gründer der Brexit Partei, Nigel Farage, nahm hingegen an der Brexit-Party vor dem Londoner Parlament teil. Den Brexit nannte er den wichtigsten Moment der modernen Geschichte.

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Laura Bisch
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Mario Demuth
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