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Christian Kreutzer
Christian Kreutzer, SWR3; Foto: SWR3
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Die Verwirrung um die Iran-Strategie der USA wird immer größer: Angeblich bedroht der Iran US-Truppen im Irak. Ein britischer General hat jetzt die US-Verbündeten vor den Kopf gestoßen. Und er ist nicht der einzige.

Seit dem Krieg gegen den „Islamischen Staat“ (IS) ist der Irak voller halboffizieller schiitischer Milizen. Gegründet wurden sie mit Hilfe des Iran und sollten die chronisch schwache irakische Armee verstärken, deren Soldaten in Scharen vor dem IS davon gelaufen waren. Jetzt entwickeln sich einige von ihnen zum Staat im Staate – und zu einem Instrument, mit dem der Iran im Irak Einfluss nimmt.

„Es gibt keine wachsende Bedrohung“

US-Truppen im Irak; Foto: dpa/picture-alliance

US-Truppen im Irak: Ist die akute Bedrohung nur eine Erfindung des US-Außenministeriums?

dpa/picture-alliance

Grund genug für die USA, sich Sorgen zu machen, denn natürlich sind diese Milizen alles andere als amerikafreundlich – und haben teils großen Rückhalt in der irakischen Bevölkerung, deren Mehrheit schiitisch ist und damit derselben Gruppe innerhalb des Islam angehört, wie die Menschen im Iran.

Sind die etwa 5.000 US-Soldaten im Irak also von Feinden umgeben? Mit Sicherheit. Allerdings ist dieser Zustand nichts Neues. Viele waren verwundert, als US-Außenminister Mike Pompeo vor Kurzem plötzlich behauptete, der Iran bereite Angriffe auf US-Truppen vor. Und viele halten es für einen Vorwand der USA, ihrerseits den Iran zu bedrohen, der sich im Nahen Osten immer mehr zu einer Großmacht entwickelt.

Der britische Irak-General Chris Ghika, leitender Offizier in der US-unterstützten Koalition im Kampf gegen den IS, hat jetzt die Aussagen Pompeos öffentlich in Zweifel gezogen. Es gebe zwar eine Reihe bewaffneter Gruppen im Irak und in Syrien aber: „Es hat keine wachsende Bedrohung durch vom Iran unterstützte Kräfte im Irak und in Syrien gegeben“, stellte Ghika klar.

Auch Spanien schert aus

Ghikas Bemerkungen spiegeln die Skepsis vieler Beobachter wieder: Manche erinnert die Situation an die Irak-Invasion von 2003, die auf falschen Angaben der Geheimdienste beruhte. Und: Damals war Großbritannien den USA unter George W. Bush quasi bedingungslos in den Irak-Krieg gefolgt.

Vertreiben die USA mit ihrem Vorpreschen gegen den Iran ihre europäischen Verbündeten? Großbritanniens Außenminister Jeremy Hunt sagte zuletzt, sein Land sorge sich wegen des Risikos eines Konflikts „mit einer Eskalation, die auf beiden Seiten unbeabsichtigt ist“.

Und während die USA den US-Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ in die Golfregion schicken, zieht Spanien ein Kriegsschiff aus dem selben Flottenverband ab, weil es nicht Teil der Aktion sein will. Spanische Medien berichteten unter Berufung auf Regierungsquellen, Madrid befürchte, in einen Konflikt zwischen Teheran und Washington hineingezogen zu werden.

Ist Trump das beste Mittel gegen den Krieg?

Doch die Verwirrung wächst auch innerhalb der USA: Unter Berufung auf Insider meldet die „New York Times“ (NYT), die US-Regierung halte sage und schreibe 120.000 Soldaten bereit, um diese im Notfall schnellstens in den Nahen Osten zu schicken, falls es größeren Ärger gebe. Dabei hatte Pompeo gerade erst betont, die USA wollten keinen Krieg mit dem Iran.

Der kommissarische US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan habe den Plan bei einem Treffen mit Spitzenberatern von Präsident Donald Trump vorgestellt, so die "NYT". Das Verteidigungsministerium wollte sich nicht äußern.

Diesmal kam der Widerspruch von ganz oben: US-Präsident Donald Trump hat den Medienbericht zurückgewiesen und als "Fake News" bezeichnet. Er sei zwar absolut bereit, Soldaten zu entsenden, hoffe aber, dass er nicht für einen solchen Ernstfall planen müsse.

Was dahinter steckt: Trump hat im Wahlkampf versprochen, die USA aus internationalen Engagements soweit wie möglich herauszunehmen. Er weiß: Ein Krieg mit dem Iran würde genau das Gegenteil bedeuten und die USA auf viele Jahre in einem komplizierten, teuren und blutigen Einsatz binden. Das Vorpreschen von Pompeo und Sicherheitsberater John Bolton scheint ihn eher zu verschrecken. Vielleicht ist ja ausgerechnet Trump diesmal die beste Garantie für den Frieden.

Dennoch fahren die USA fort mit ihrer Strategie, die Irak- mit der Iran-Strategie zu verknüpfen: Am Mittwoch gab das Außenministerium Anweisung, Botschaftsmitarbeiter teilweise von dort abzuziehen. Sämtliche an diesen Standorten nicht zwingend benötigte Mitarbeiter seien angewiesen worden, das Land so schnell wie möglich zu verlassen. Betroffen sind die Hauptstadt Bagdad und das eher friedliche und von Kurden dominierte Erbil im Norden des Landes.