Heftige Unwetter mit Sturzfluten können verheerende Folgen haben. Oft treffen sie Orte in Deutschland, wo man das vorher nicht kannte. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz bereitet sich darauf vor.

Extreme Wetterereignisse werden in Deutschland häufiger – etwa Sturzfluten. „Dieses Risiko wächst, deswegen sind wir als Bevölkerungsschützer gefragt“, sagte Präsident Christoph Unger der Deutschen Presse-Agentur.

Schon mehrmals habe es Sturzfluten an Orten gegeben, wo man sie bislang nicht erwartet habe, erläuterte Unger. Als Beispiele nannte er bestimmte Regionen von Bayern und Nordrhein-Westfalen – oder Orte wie das kleine Braunsbach in Baden-Württemberg. 2016 wurde der Ort binnen weniger Minuten von einer Schlamm- und Gerölllawine verschüttet.

Braunsbach verschüttet; Foto: dpa/picture alliance

Extreme Ereignisse wie die Gerölllawine in Braunsbach in 2016 werden häufiger, sagen Experten.

dpa/picture alliance

Bei so kurzfristigen Ereignissen müssten Menschen schnell alarmiert und mit Handlungsempfehlungen versorgt werden. „Das ist eine neue Herausforderung. Aber mit unserem System – etwa mit der App – können wir dem begegnen“, sagte Unger.

Amt warnt über „Nina“

Nutzer der App „Nina“

Nach Angaben des BKK hat die App aktuell 2,2 Millionen Nutzer und damit deutlich mehr als Anfang des Jahres. Damals waren es 1,25 Millionen. Es gibt noch andere Warn-Apps wie Katwarn und Biwapp.

Dafür gibt es vom BBK die Warn-App „Nina“. Das steht für „Notfall-Informations- und Nachrichten-App“. Die Software wird über dasselbe satellitengestützten Warnsystem mit Daten gefüttert, das zum Beispiel auch Radiosender offiziell auf dem Laufenden hält. Der Bund warnt im Rahmen seiner gesetzlichen Zuständigkeiten nur bei großen nationalen Gefahren – etwa einem Raketenangriff. Das Bundesamt stellt „Nina“ aber auch anderen Katastrophenschutzbehörden zur Verfügung, die dann bei Unwetter, Hochwasser oder einer Bombenentschärfung warnen.

Sturmschäden Herwart; Foto: dpa/picture alliance

Nicht nur Regen stellt im Extremwetter eine Gefahr dar, Wind ebenso.

dpa/picture alliance

Über die App wurde im September auch im Zusammenhang mit der Erpressung mehrerer Lebensmittel- und Drogeriemarktketten vor verdächtigen Produkten gewarnt. „Das ist eigentlich eine polizeiliche Lage“, erklärte Unger. Das Beispiel zeige, wie die App und das dahinter stehende Warnsystem auch für andere Behörden nützlich sei.

Auch bei der Bundestagswahl im September hätte „Nina“ zum Einsatz kommen können, sagt Unger: „Der Bundeswahlleiter hatte uns in der Vorbereitung zur Bundestagswahl auch gebeten, das System zur Verfügung zu stellen, um bei befürchteten Manipulationen der Wahl sehr schnell seriöse Informationen verbreiten zu können.“

Die Entwicklung des Klimas

Die vergangenen drei Jahre waren hintereinander jeweils die heißesten auf der Erde je gemessenen. Die 16 Jahre seit 2001 gehören zu den 17 wärmsten seit Messbeginn. Klimabedingte Katastrophen haben nach Daten der Rückversicherung Munich Re zugenommen, nicht aber klimaunabhängige wie Erdbeben. „Wir beobachten seit 1990 eine signifikante Zunahme der extremen Niederschlagsereignisse“, sagt Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Ein Grund: Durch wärmeres Klima nimmt die Luft mehr Feuchtigkeit auf und kann folglich auch mehr abregnen. Andererseits bringt ein wärmeres Klima in vielen Regionen auch mehr Hitzewellen.

Gerölllawine in BRaunsbach; Foto: dpa/picture alliance

2016 wurde der Ort Braunsbach binnen Minuten verschüttet.

dpa/picture alliance