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Lena Seiferlin
Lena Seiferlin, SWR3; Foto: SWR3
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Rezo, der Youtuber mit den blauen Haaren, hat eine Kolumne bei Zeit Online. In „Rezo stört“ hat er vor drei Tagen darüber geschrieben, warum er in keiner Partei ist. Und Bundespräsident Steinmeier hat in der Kommentarspalte Gegenargumente geliefert.

Youtuber Rezo wurde der größeren Öffentlichkeit bekannt, als er gegen die CDU wetterte. In seinem Video „Die Zerstörung der CDU“ deckte er so einiges auf, was in der Partei nicht gut lief und läuft. Er gilt vielen seitdem als politikinteressierter Influencer, mit großem Einfluss bei Jugendlichen.

Studie: Jugendliche interessieren sich für Politik aber nicht für Parteien

Bei Zeit Online hat Rezo wegen dieses Einflusses und wohl auch der daraus resultierenden Aufmerksamkeit, die er bekommt, eine Kolumne. „Rezo stört“ heißt die, und Rezo schreibt dort über Gesellschaftliches und auch politische Themen. Zuletzt beantwortete er auf zwei Seiten, weshalb er in keiner Partei ist.

Rezos Kolumne auf Zeit Online; Foto: Screenshot: „Zeit Online“

Screenshot: „Zeit Online“

Screenshot: „Zeit Online“

Rezo schreibt, er habe bisher einfach nicht drüber nachgedacht. Und ein Zeitproblem gebe es auch: „In den letzten zehn Jahren war ich zuerst mit Uni und Musik gut ausgelastet und habe danach einen zeitlich fordernden Job gehabt.“ Spannend finde er die Frage nach einem Parteieintritt trotzdem. Zumal Jugendliche sich laut Shell-Studie zwar für Politik interessierten, ihr Vertrauen in Parteien aber sinke.

Ein Grund laut Rezo: Die aufwendige Parteiarbeit. Sie erfordere Zeit, „die man aber nicht hat, wenn man sich zum Beispiel sein Studium über mehrere Jobs finanziert und nebenbei noch unbezahlte Praktika macht“. Und dann sei Engagement für eine Partei oft auch „Drecksarbeit“, schreibt Rezo. Als Beispiele nennt er Plakate kleben und „endlose Satzungsdiskussionen“ bei Parteitagen.

Rezo mag die Strukturen innerhalb von Parteien nicht

Dass Parteiarbeit auch bedeutet, sich mit anderen zu treffen, die Gleiches oder zumindest Ähnliches wollen, schreibt er nicht. Auch nicht, dass manche Parteien interessante Aktionen starten und etwa aktiv gegen Rechtsextremismus kämpfen, Demos organisieren oder bei manchen die Mitglieder selbst Anträge einbringen können.

Rezo schreibt hingegen, dass die Strukturen innerhalb von Parteien veraltet seien. Wer was erreichen wolle, müsse sich mit „trägen Gebilden“ herumschlagen, Kompromisse eingehen, möglicherweise Meinungen unterstützen, die sie oder er nicht selbst vertrete. Und dann sei da ja noch das Internet, kleine Gruppen vor Ort, in Stadtquartieren, organisiert über Soziale Netzwerke, in denen alles viel schneller gehe, Erfolge auch schneller sichtbar seien. All das, schreibt Rezo, seien Gründe gegen einen Parteieintritt.

Frank-Walter Steinmeier antwortet auf Rezos Kolumne

Offenbar hat diese Kolumne auch der Bundespräsident, Frank-Walter Steinmeier, gelesen. Er nutzte die Kommentarfunktion auf der Seite, um Rezo zu antworten. Spannender Artikel, schreibt er, doch er wolle „eine Lanze für das Engagement in Parteien brechen“. Er bezieht sich auf Rezos Aussage, wegen der ganzen Kompromisse, Zweckbündnisse, Hierarchien und Strukturen in Parteien könne man „nicht frei agieren“ und schreibt:

,Frei agieren' heißt in der Demokratie doch genau das: Andersdenkende überzeugen wollen, aber sich vielleicht auch selbst überzeugen lassen. Erkennen, dass man vieles nicht allein schafft – und deshalb Verbündete finden, Gegensätze zum Ausgleich bringen, Zugeständnisse machen.

Frank-Walter Steinmeier

Rezo hat sich noch nicht zu Steinmeiers Kommentar geäußert

Die Fähigkeit zum Kompromiss sei keine Schwäche der Demokratie, sondern ihre Stärke. Auch konstruktive Gespräche „über Gruppengrenzen hinweg“ könnten Parteien gut. „Aber sie können es in Zukunft nur, wenn auch die nächste Generation mitmacht“, argumentiert Steinmeier.

Sein Rat an junge Menschen: „Engagiert euch – ja: auf Straßen und Plätzen und im Netz. Aber bitte auch in politischen Parteien.“ Viele haben Steinmeier auf seinen Kommentar schon geantwortet – Rezo selbst reagierte auf Twitter erst mal erfreut:

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