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Laura Bisch
Laura Bisch, SWR3; Foto: SWR3
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Homosexuelle wieder „umpolen“ – das wird in Deutschland mit sogenannten Konversionstherapien tatsächlich versucht. Die Bundesregierung will diese umstrittenen Behandlungen jetzt verbieten – zumindest für Jugendliche.

Homosexualität ist keine Krankheit und muss deshalb auch nicht „therapiert“ werden. Das ist unter den meisten Ärzteorganisationen, Wissenschaftlern und Psychotherapeutenverbänden mittlerweile Konsens.

Dennoch gibt es auch in Deutschland immer noch Therapieangebote mit dem Ziel, homo- und transsexuelle Menschen „umzupolen“ – also sie hetero zu machen. Damit soll jetzt Schluss sein: Das Bundeskabinett hat einen Gesetzesentwurf zum Verbot dieser Konversionstherapien beschlossen.

Verbot von Konversionstherapien noch einmal verschärft

Dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) solche Therapien in Deutschland verbieten will, hatte er schon im Sommer angekündigt. Im November legte er dazu einen Gesetzentwurf vor, um Konversionstherapien an Minderjährigen zu verbieten. Darin hieß es zunächst, dass bei Jugendlichen ab 16 Jahren Ausnahmen gelten könnten.

Diese Ausnahmen wurden jetzt in der endgültigen Version des Gesetzes gestrichen, das berichtet die Agentur AFP. Demnach sollen Konversionstherapien für alle schwulen und lesbischen Minderjährigen verboten werden.

Für Erwachsene bleiben solche Therapien aber weiterhin zulässig – es sei denn, ihre Entscheidung wird durch Täuschung, Irrtum, Zwang oder Drohung beeinflusst. Das trifft zum Beispiel zu, wenn jemand über den Nutzen der Therapie getäuscht oder nicht ausreichend über Risiken aufgeklärt wird.

Geld- und Haftstrafen für Therapeuten und Eltern

Verstöße gegen das Gesetz sollen empfindliche Strafen nach sich ziehen: Wer eine verbotene Konversionstherapie durchführt, kann zu bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt wird. Auch das Anbieten, Bewerben und Vermitteln der Therapien soll mit dem Gesetz verboten werden. Wer dagegen verstößt, muss mit bis zu 30.000 Euro Bußgeld rechnen.

Die Strafen können laut dem Gesetzentwurf aber nicht nur diejenigen treffen, die Konversionstherapien gewerbsmäßig anbieten. Auch beispielsweise Eltern können „bei gröblicher Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht bestraft werden“, betonte das Ministerium.

Spahn: „Wollen damit ein Zeichen für Homosexuelle setzen“

Das Gesundheitsministerium rechtfertigte das Verbot mit dem mangelnden Nutzen und den drohenden Schäden durch Konversionstherapien. Es gebe keine Studien, die zeigen würden, dass man durch Therapien die sexuelle Orientierung dauerhaft ändern können. Wissenschaftlich nachgewiesen seien hingegen „schwerwiegende gesundheitliche Schäden“, die Konversionstherapien hervorrufen: nämlich Depressionen, Angsterkrankungen, Verlust sexueller Gefühle und ein erhöhtes Suizidrisiko. Nach Schätzungen des Ministeriums werden in Deutschland jährlich etwa 2.000 solcher Behandlungen angewendet.

Jens Spahn betonte außerdem, dass man mit dem Verbot auch ein gesellschaftliches Zeichen an all diejenigen setzen wolle, die mit ihrer Homosexualität hadern: „Es ist okay, so wie du bist“, so der CDU-Minister.

Weltärztebund: Konversionstherapien verletzen Menschenrechte

Bereits 2013 hatte der Weltärztebund Konversionstherapien als Menschenrechtsverletzung beurteilt. Auch die Weltgesundheitsorganisation erklärte, dass Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit keine Krankheiten seien. Es bestehe daher auch kein Grund für Therapien.

Ein Verbot der Konversionstherapien in Deutschland war über mehrere Parteien hinweg unterstützt worden. Das Bundesgesundheitsministerium hatte dazu extra eine Kommission einberufen – angeleitet von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, deren Empfehlung Jens Spahn mit dem Gesetzentwurf gefolgt ist. Die Stiftung hat zum Ziel, der Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, trans- und intergeschlechtlichen sowie queeren Personen (Abkürzung: LSBTTIQ) in Deutschland entgegenzuwirken.

SPD will ein noch weiter reichendes Verbot

Als nächstes muss jetzt der Bundestag dem Gesetz zustimmen. Die SPD erklärte, dass sie sich eigentlich ein noch weiter reichendes Gesetz wünsche, das die umstrittenen Therapien auch für Erwachsene verbiete. Rechtlich sei das aber schwer umsetzbar, so SPD-Fraktionsvize Bärbel Bas. Man werde den Gesetzentwurf des Bundeskabinetts deshalb jetzt sehr genau prüfen.