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Mario Demuth
Mario Demuth, SWR3; Foto: SWR3
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Der Bundestag hat die sogenannte Widerspruchslösung bei Organspenden abgelehnt – und der Zustimmungslösung von Grünen-Chefin Baerbock und Linken-Vorsitzenden Kipping grünes Licht gegeben. Damit bleibt die bisherige Praxis bestehen, es gibt allerdings eine Änderung.

In Deutschland warten Tausende todkranke Menschen auf ein Spenderorgan. Deshalb will die Bundesregierung, dass mehr Menschen Organspender werden. Einen Gesetzentwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und SPD-Experte Karl Lauterbach hat der Bundestag am Donnerstag jedoch abgelehnt. In dem Entwurf war vorgesehen, dass jeder zunächst ungefragt Spender wird. 379 Abgeordnete waren dagegen, 292 dafür, 3 enthielten sich.

Alle zehn Jahre: Wollen Sie Organspender werden?

Bild der Grünen-Vorsitzenden Annalena Baerbock; Foto: picture alliance/Kay Nietfeld/dpa

Annalena Baerbock, Vorsitzende der Grünen

picture alliance/Kay Nietfeld/dpa

Beschlossen wurde hingegen ein Alternativvorschlag, den Grünen-Chefin Annalena Bearbock und die Linken-Vorsitzende Katja Kipping eingebracht hatten.

Damit sollen die Bundesbürger nun alle zehn Jahre auf das Thema Organspende angesprochen werden. Im Bundestag stimmten 432 Abgeordnete dafür, 200 waren dagegen, 37 enthielten sich.

Praktisch umgesetzt werden soll das mit Infomaterial beim Abholen eines neuen Ausweises oder Reisepasses. Entscheidet man sich dafür Organspender zu werden, soll man sich direkt auf dem Amt oder später zu Hause in ein Online-Register eintragen können – und zwar mit einem Ja oder einem Nein. Beraten sollen die Ämter aber nicht.

Hausärzte sollen öfter beraten und erinnern

Möglich ist auch, dass Hausärzte bei Bedarf alle zwei Jahre bei ihren Patienten an das Online-Register erinnern. Das soll aber ergebnisoffen geschehen mit dem Hinweis, dass es keine Pflicht gibt, sich in die Datenbank einzutragen.

Eine radikale Umstellung der aktuellen Praxis ist damit vom Tisch. Die ausdrückliche Zustimmung ist weiterhin notwendig, bevor jemanden nach dem Tod die Organe entnommen werden dürfen.

So hätte die Widerspruchslösung funktioniert

Bild von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU); Foto: picture alliance/Bernd von Jutrczenka/dpa

Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister (CDU)

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Ein Abkehr von der zwingend notwendigen Zustimmung hätte der abgelehnte Entwurf der sogenannten „doppelten Widerspruchslösung“ bedeutet. Damit wäre jeder automatisch zunächst Spender – außer man widerspricht ausdrücklich.

Das wäre jederzeit möglich gewesen und ebenfalls in einem zentralen Register erfasst worden. Dort hätten Ärzte zunächst nachschauen sowie prüfen müssen, ob es eine Erklärung mit einem ausdrücklichen Nein gibt.

Wie eine Organspende konkret funktioniert, wer spenden kann und wer die Organe bekommt – die wichtigsten Fakten dazu haben wir hier zusammengestellt.

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