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Das Weiße Haus entzieht einem CNN-Reporter die Akkreditierung. Er habe „Hand angelegt“ an eine Praktikantin, so die Begründung. Jetzt werden Vorwürfe laut, Trumps Sprecherin habe ein manipuliertes Video von der entsprechenden Szene veröffentlicht.

Nach dem Eklat im Weißen Haus um CNN-Reporter Jim Acosta gibt es nun Vorwürfe gegen Sarah Sanders, die Sprecherin von Donald Trump: Sie habe ein manipuliertes Video veröffentlicht. Darin sehe die Szene, in der eine Mitarbeiterin des Weißen Hauses Acosta das Mikro wegnehmen will, dramatischer aus als sich die Situation in echt abgespielt habe.

Was ist passiert?

Foto zeigt den CNN-Reporter, wie ihm versucht wird das Mikrofon wegzunehmen. ; Foto: dpa/picture-alliance

Während Donald Trump, US-Präsident, bei einer Pressekonferenz im Ostsaal des Weißen Hauses auf den CNN-Reporter Jim Acosta deutet, versucht diesem eine Mitarbeiterin des Weißen Hauses das Mikrofon wegzunehmen.

dpa/picture-alliance

Nach den Zwischenwahlen in den USA, den sogenannten Midterms, gab US-Präsident Donald Trump eine Pressekonferenz im Weißen Haus. Anderthalb Stunden sprach er vor Journalisten und beantwortete ihre Fragen. Besonders nett ist er dabei nicht gewesen. Einige Journalisten beschimpfte er.

Zum Eklat kam es dann, als Trump dem CNN-Reporter Jim Acosta verbieten wollte, weitere Fragen zu stellen. Denn Acosta weigerte sich zunächst das Mikro abzugeben – obwohl er bereits zwei Fragen vortragen konnte und den Präsidenten in eine Diskussion verwickelte.

Die Rückhand am Oberarm

Eine Mitarbeiterin des Weißen Hauses versuchte daraufhin, Acosta das Mikrofon aus der Hand zu nehmen. Sie griff mehrfach danach, Acosta hielt es jedoch fest und wehrte ihren Arm ab. Dabei berührte er mit seiner Rückhand ihren Oberarm. „Entschuldigen Sie, Ma'am“, sagte er. Erst später gelang es ihr, das Mikrofon mitzunehmen.

Als Konsequenz wurde Acosta die Akkreditierung für das Weiße Haus entzogen. Die Begründung: Er habe sein Hand an die junge Mitarbeiterin angelegt, die ihm das Mikro abnehmen wollte.

Weißes Haus: Reporter lege „Hand an“

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, rechtfertigte Acostas Ausschluss: „Wir werden es nicht hinnehmen, dass ein Reporter Hand an eine junge Frau anlegt, die bloß versucht, ihren Job als Praktikantin im Weißen Haus zu machen“, schrieb Sanders auf Twitter. Als Beweis veröffentlichte sie dieses Video:

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Wurde mit der Geschwindigkeit getrickst?

Und um genau dieses Video ist nun eine hitzige Diskussion entbrannt. Es gibt Vorwürfe, dass es bearbeitet wurde. Als Beweis kursiert unter anderem ein Vergleich von Sanders Version mit Originalmaterial.

Das soll belegen, dass an einigen kurzen Stellen das Video von Sanders bewusst beschleunigt wurde. Um auf dieselbe Länge wie im Original zu kommen, soll das Video an einer anderen Stelle bewusst verlangsamt worden sein.

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Auch die Nachrichtenagentur dpa analysierte das Video und meldete, dass sich „eine Manipulation wie zum Beispiel das Hinzufügen von bearbeiteten Einzelbildern bisher nicht eindeutig beweisen“ lasse. Die britische Zeitung Independent kommt jedoch zu dem Schluss, dass in der entscheidenden Szene der Sanders-Version ein Einzelbild minimal länger gezeigt wird.

Woher hat Sanders das Video?

Es stammt offenbar nicht vom Weißen Haus selbst. Der US-Sender C-Span hatte die gesamte Pressekonferenz übertragen. Der Aktivist und Trump-Anhänger Paul Joseph Watson will einen Ausschnitt daraus mit einem Schnittprogramm bearbeitet haben – allerdings sagt er, dass er lediglich die Zoomfunktion genutzt habe. Eine Manipulation bestreitet er. Sein Video soll 46 Minuten vor Sanders hochgeladen worden sein.

Woher nun der minimale zeitliche Unterschied kommt, bleibt unklar.

Die komplette Pressekonferenz

Der Sender C-Span hat die komplette Pressekonferenz mitgeschnitten. Acosta kann ab Minute 27:33 seine Fragen stellen. Nach einer Diskussion um die sogenannte Migranten-Karawane aus Mittelamerika will Trump keine weiteren Fragen von Acosta beantworten. Der umstrittene Moment mit der Mitarbeiterin des Weißen Hauses ist bei Minute 29:00 zu sehen:

CNN: Entzug der Akkreditierung sei „beispiellos“

Acosta reagierte auf die Anschuldigungen des Weißen Hauses umgehend: Er wies sie zurück. Auch der Sender CNN stellte sich voll hinter seinen Reporter. Die Anschuldigung, Acosta habe bei einer Praktikantin „Hand angelegt“, sei eine Lüge, erklärte der Fernsehsender. Der Entzug der Akkreditierung sei „beispiellos“ und eine „Gefahr für unsere Demokratie“.

Korrespondenten-Verband: Vergehen ist „nicht akzeptabel“

Der Verband der im Weißen Haus akkreditierten Korrespondenten (WHCA) kritisierte den Entzug der Akkreditierung für Acosta als „schwach und fehlgeleitet“. Den Zugang zum Weißen Haus zu widerrufen, stehe nicht im Verhältnis zu dem angeblichen Vergehen und sei „nicht akzeptabel“, heißt es in einer Erklärung. Der WHCA forderte das Weiße Haus auf, die Entscheidung rückgängig zu machen.

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Mario Demuth
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Hans Liedtke
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SWR3