In Afrika sind aktuell mehr als 20 Millionen Menschen vom Hungertod bedroht. Caritas-Helferin Miriam Ebner ist vor Ort und erzählt SWR3 von ihren Eindrücken.

Nach einer außergewöhnlichen Dürreperiode und kriegerischen Auseinandersetzungen sind viele Menschen in Ostafrika vom Hungertod bedroht. Allein in Kenia sind über 2,7 Millionen Menschen betroffen, bis April werden es bereits vier Millionen Menschen sein. Die Vereinten Nationen warnen vor der schlimmsten humanitären Katastrophe seit 1945.

Miriam Ebner; Foto: Jork Weismann

Caritas-Helferin Miriam Ebner ist in Kenia im Einsatz.

Jork Weismann

Miriam Ebner ist für die Caritas Österreich in Marsabit, im Norden von Kenia, im Einsatz. Im Gespräch mit SWR3 beschreibt sie über die Situation vor Ort.

Tierkadaver säumen die Straßen, verzweifelte Nomaden winken mit ihren Wasserkanistern. Es hat seit über einem Jahr nicht mehr ausreichend geregnet. Das heißt, es sind mittlerweile 70 bis 80 Prozent des Viehs gestorben und diese Tiere sind die Lebensgrundlage der Menschen hier.

Miriam Ebner

Höchste Alarmstufe: Wenn Kamele sterben

Doch vor allem seien die Tiere besonders wichtig. Miriam erzählt, wenn die Tiere wegsterben, dann stünden die Menschen vor dem Nichts: Denn die Tiere geben nicht nur Milch und Fleisch, sie sind auch wichtig für den Transport. Wenn die Menschen keine Tiere mehr haben, können sie auch nicht mehr zu den Wasserstellen gehen, was bedeutet, dass viele Menschen inmitten von Steinwüsten einfach festsitzen.

Wir haben auf unserer Reise durch Marsabit dutzende toter Kamele gesehen. Man sagt, wenn die Kamele sterben, dann sterben auch bald die Menschen, und das ist jetzt der Fall.

Miriam Ebner

Verendetes Kamel; Foto: Jork Weismann
Jork Weismann

Dringend auf externe Hilfe angewiesen

Wenn die Hilfe nicht erhöht werde, würden bis zu 20 Millionen Menschen an Hunger sterben, so die Vereinten Nationen. Auf die Frage, ob genug Hilfe vor Ort sei, kann Miriam nur für Marsabit sprechen. Da habe sie aber nicht das Gefühl gehabt, dass ausreichend Hilfe kommt.

Wenn der prognostizierte Regen im April ausfällt, und das ist sehr wahrscheinlich, dass er ausfällt, dann stehen wir vor einer riesengroßen humanitären Katastrophe. Wir brauchen finanzielle Unterstützung, um Nahrungsmittelpakete und Wasser verteilen zu können. Und: Wir können versuchen, die wenigen übriggebliebenen Tiere abzukaufen und an die ärmsten Haushalte zu verteilen.

Miriam Ebner

Hier geht es zum Spendenaufruf der ARD: „Hilfe für Afrika“.