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Isabel Gebhardt
Isabel Gebhardt, SWR3; Foto: SWR3
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Bei einem spontan anberaumten Gerichtstermin hat der Angeklagte im Fall des Terroranschlags von Christchurch erklärt, für den Tod von 51 Menschen verantwortlich zu sein. Besonders für die Angehörigen der Opfer ist das ein wichtiger Schritt.

Ein Jahr nach dem Terroranschlag im neuseeländischen Christchurch hat der 29-jährige Angeklagte überraschend auf schuldig plädiert. Der Australier hat eingeräumt, bei dem Attentat auf zwei Moscheen in der Stadt mehr als 50 Menschen getötet und mehrere Dutzend Personen verletzt zu haben. Bisher hatte er die Vorwürfe immer zurückgewiesen.

Per Video aus Hochsicherheitsgefängnis

Der Gerichtstermin war spontan angesetzt worden, der Angeklagte wurde per Video aus dem Hochsicherheitsgefängnis zugeschaltet. Dabei bekannte er sich des 51-fachen Mordes, 40-fachen Mordversuchs sowie des Terrorismus schuldig. Ihm droht eine lebenslange Haft. Wann genau das Urteil verkündet wird, ist noch nicht bekannt.

Wichtig für Opfer und Angehörige

Premierministerin Jacinda Ardern sagte, den Überlebenden und Hinterbliebenen bringe das Schuldeingeständnis ein gewisses Maß an Erleichterung. Ihnen bleibe nun „die Qual eines Prozesses“ erspart.

Die Behörden hatten außerdem befürchtet, dass der Angeklagte den Prozess, der im Juni stattfinden soll, als Plattform missbrauchen könnte, um seine rassistische Weltanschauung zu propagieren. Diese hatte der Australier in einem 74 Seiten umfassenden Schreiben kurz vor dem Anschlag im Internet veröffentlicht.

Das hat sich nach dem Christchurch-Anschlag geändert:

Der Täter hatte die Angriffe in den zwei Moscheen am 15. März 2019 per Helmkamera gefilmt und live auf Facebook übertragen. Hunderttausende sahen das Video. Weltweit wurden im Anschluss auch Richtlinien zur Live-Übertragung von Videos in sozialen Medien verändert.

Neuseeland beschloss noch eine weitere Maßnahme. Nach dem Anschlag wurden bestimmte halbautomatische Waffen in dem Land verboten.

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