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Björn Widmann
Björn Widmann, SWR3; Foto: SWR3
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Ein Priester aus Italien hat weltweit für Schlagzeilen gesorgt: Mitten in der Corona-Krise hat der Mann einem Mitpatienten sein Beatmungsgerät überlassen – und ist wenig später an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben.

Für die Menschen in Casnigo bei Bergamo in Italien ist ihr Don Giuseppe Berardelli ein Held. Der 72-Jährige hatte sich mit dem Corona-Virus infiziert und wurde so krank, dass er künstlich beatmet werden musste. Weil das Krankenhaus zu wenige solcher Geräte hatte, kaufte seine Kirchengemeinde speziell für den infizierten Priester ein Beatmungsgerät. Aber Don Giuseppe lehnte ab: Er bestand darauf, dass der lebenswichtige Apparat an einen jüngeren – Don Giuseppe unbekannten – Patienten geht. Kurz darauf starb der 72-Jährige an den Folgen der Lungenkrankheit.

Die Zeitung Araberara zitierte einen Pfleger, der den Priester kannte: „Don Giuseppe ist als Priester gestorben“, dessen selbstlose Tat habe den Mann „tief berührt“. Auch in den sozialen Netzwerken ziehen die Menschen den Hut vor dem italienischen Geistlichen: „Dieser Mann ist ein Held! Die meisten würden in solch einer Lage nicht einmal eine Rolle Klopapier hergeben“, schrieb ein Twitter-User.

Don Giuseppe war sehr beliebt

In seiner Gemeinde Gasnigo in der vom Corona-Virus schwer getroffenen Region Lombardei war Don Giuseppe sehr beliebt. „Er war ein außergewöhnlicher Mensch, der sich stets um alle sorgte“, sagte der Leiter des Pflegeheims in Casnigo. Alle in der Umgebung hätten ihn gekannt, weil er im vollen Priestergewand mit seiner alten roten Moto Guzzi Galletto umherzufahren pflegte.

Priester Luigi Manenti sagte: „Er war immer freundlich und ging mit einem Lächeln auf die Menschen zu.“ Berardelli sei eine Persönlichkeit gewesen, die anderen Zuversicht und Hoffnung vermittelt habe. Sein Motto sei gewesen: „Mach Dir keine Sorgen. Du wirst sehen, alles wird gut.“

60 Priester an Corona gestorben

Bisher sind in Italien schon mindestens 60 katholische Priester an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben. Viele der Männer folgten einem Appell von Papst Franziskus, den Gläubigen in der schweren Zeit beizustehen. Dabei infizierten sich die Priester mit dem Virus und starben an den Folgen der Infektion.

Die meisten Opfer in den Reihen des Klerus haben im Bistum Bergamo gearbeitet. Dort haben mindestens 17 Priester die Lungenkrankheit nicht überlebt. Die Lombardei in Norditalien ist besonders stark von der aktuellen Notlage betroffen. Insgesamt starben in Italien schon mehr als 6.000 Menschen an den Folgen einer Corona-Infektion, zwei Drittel davon in der Region um Mailand.

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