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Nach einer lebensgefährlichen Hundeattacke in Leimen will die Stadt jetzt die Steuer für Kampfhunde erhöhen. Mehr als das Sechsfache sollen Halter künftig zahlen – 600 Euro jährlich. Macht das Sinn?

Ein Kampfhund der Rasse American Staffordshire Terrier; Foto: imago images / Anka Agency International

Zwei Hunde der Rasse American Staffordshire Terrier hatten in Leimen einen Jugendlichen lebensgefährlich verletzt.

imago images / Anka Agency International

Im Frühjahr 2019 wurde ein Jugendlicher bei einer Kampfhundattacke in Leimen lebensgefährlich verletzt. Am Montag soll das Urteil gegen den 22-jährigen Hundehalter fallen.

Die Stadt im Süden von Heidelberg versucht unterdessen, die Gefahr durch Kampfhunde für die Zukunft zu verringern – durch höhere Kosten für die Hundebesitzer.

600 Euro jährlich für neu angemeldete Kampfhunde

Der Gemeinderat der Stadt hat beschlossen, die Steuer auf sogenannte „Listenhunde“ anzuheben: Statt 96 Euro müssen Halter von Kampfhunden künftig 600 Euro im Jahr zahlen. Insgesamt 12 Rassen sind von der Regelung betroffen, darunter Pit Bull Terrier, Tosa Inus und Bullterrier.

Die Regelung betrifft in erster Linie neue Anmeldungen von Hunden. Wer jetzt schon einen Kampfhund besitzt, genießt eine Art Bestandsschutz und muss nicht mehr zahlen als jetzt. Voraussetzung dafür ist aber, dass der Hund einen „Wesenstest“ bestanden hat.

Mit dieser Prüfung kann der Halter belegen, dass sein Hund – trotz als gefährlich eingestufter Rasse – nicht besonders aggressiv ist und deshalb auch nicht wie ein Kampfhund behandelt werden muss.

Hundehalter protestieren gegen Steuererhöhung

Die Besitzer von Kampfhunden fühlen sich durch die höhere Steuer ungerecht behandelt – und haben im Internet eine Petition gestartet. 30 Listenhunde gebe es in Leimen, heißt es im Begründungstext. Alle hätten einen Wesenstest bestanden und hätten noch nie Probleme gemacht.

Anders die beiden Hunde der Rasse American Staffordshire Terrier, die im Frühjahr den Jugendlichen angegriffen hatten: für sie habe kein Wesenstest vorgelegen. Stattdessen habe es aber mehrere Anzeigen gegeben, weil die Haltungsbedingungen der Hunde schlecht waren. Das Problem sei also nicht die Hunderasse an sich, sondern die Erziehung.

Bringt eine höhere Steuer für Kampfhunde wirklich mehr Sicherheit? Nein, sagt die Kampfhundehalterin Alexandra Kraus aus Leimen:

Höhere Steuern für Kampfhunde auch in anderen Gemeinden

Der Oberbürgermeister der Stadt Leimen rechtfertigte die Steuererhöhung im SWR. Die Zahl der Kampfhunde in der Gemeinde sei in den letzten Jahren gestiegen. Mit der höheren Hundesteuer wolle man erreichen, dass die Anzahl gefährlicher Hunde nicht weiter zunehme.

Leimen ist nicht der einzige Ort im Raum Heidelberg, wo Kampfhunde deutlich höher besteuert werden. Auch einige von Leimens Nachbargemeinden, zum Beispiel Wiesloch und Sinsheim, verlangen zwischen 300 und 600 Euro jährlich von Kampfhundehaltern.