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Amelie Heß
Amelie Heß, SWR3; Foto: SWR3
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Nach dem schlechten Abschneiden der CDU bei den Landtagswahlen in Hessen kündigte Angela Merkel an, den CDU-Parteivorsitz abzugeben und nicht mehr als Kanzlerin zur Verfügung zu stehen. Wer wird das Rennen um die Nachfolge gewinnen?

Nach den herben Verlusten der CDU bei der jüngsten Landtagswahl hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angekündigt, nicht mehr für den Bundesvorsitz ihrer Partei kandidieren zu wollen. Das teilte sie auf einer Pressekonferenz mit. Zudem erklärte sie, kein weiteres Mal Bundeskanzlerin werden zu wollen und auch keine anderen politischen Ämter anzustreben.

Kanzleramt und Parteivorsitz nicht mehr in einer Hand

Merkel hatte bisher immer betont, dass der Parteivorsitz und das Kanzleramt in einer Hand liegen müssten. Dass dies nun anders laufen solle, sei ein „Wagnis, keine Frage“, sagte sie. Denn Kanzlerin will sie bis zum Ende der Legislaturperiode noch bleiben. Die Legislaturperiode endet regulär im Jahr 2021.

Wer wird Merkels Nachfolger?

Über die Nachfolge von Merkels Parteivorsitz gibt es bereits erste Kandidaten. CDU Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer sowie der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn haben bereits am Montag ihre Namen in den Ring geworfen. Am Dienstag folgte die offizielle Kandidatur des ehemaligen Unionsfraktionschefs Friedrich Merz. Er habe sich nach „reiflicher Überlegung“ entschieden, für den Posten des CDU-Vorsitzenden zu kandidieren.

Friedrich Merz; Foto: dpa/picture-alliance

Friedrich Merz war einige Jahre ernster Rivale von Angela Merkel. Beide traten mit der Spendenaffäre 2000 ins CDU-Rampenlicht, als Wolfgang Schäuble Partei- und Fraktionsvorsitz abgeben musste. Merkel übernahm den Parteivorsitz, Merz den Fraktionsvorsitz im Bundestag. Der Sauerländer vertritt wirtschaftsliberale Positionen, womit die CDU wieder näher an die FDP rücken könnte. Bekannt wurde der 62-Jährige durch seine Forderung nach einem so einfachen Steuersystem, bei dem die Steuererklärung auf einen Bierdeckel passen sollte. 2002 verdrängte Merkel ihn vom Fraktionsvorsitz; 2005 wechselte der Jurist in die Privatwirtschaft.

dpa/picture-alliance

Bereits vor einigen Wochen kündigten zudem der Staatsrechtler Matthias Herdegen und der Unternehmer Andreas Ritzenhoff ihre Kandidatur an. Sie fordern nun, mit einem Mitgliederentscheid über den Parteivorsitz abstimmen zu lassen.

SPD will sich nicht neu aufstellen

Die Sozialdemokraten, die bei der Landtagswahl in Hessen auch Stimmen im zweistelligen Bereich verloren haben, schlossen eine personelle Neuaufstellung aus. Das sei „nicht in Rede in der SPD“, sagte SPD-Chefin Andrea Nahles.

Der parteiinterne Druck auf Merkel war zuletzt größer geworden. Die CDU in Hessen ist zwar erneut stärkste Kraft geworden, sie rutschte aber im Vergleich zur vergangenen Wahl um 11,3 Prozentpunkte ab. Merkel ist seit 18 Jahren CDU-Chefin und seit 13 Jahren Kanzlerin.

Seehofer will ebenfalls Entscheidung fällen

Nach Merkels Ankündigung am Montag will bald offenbar auch Unions-Kollege Horst Seehofer (CSU) über seine Zukunft sprechen. Im Bayerischen Rundfunk kündigte er am Montagabend an, innerhalb von zwei Wochen seine Vorschläge zur Entwicklung der CSU vorlegen zu wollen.

„Ich denke, das wird Ende nächster, allerspätestens übernächste Woche erfolgen“, sagte er. Wie die Lösung für ihn persönlich aussehen könnte, ließ Seehofer noch offen.