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Laura Bisch
Laura Bisch, SWR3; Foto: SWR3
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Sie haben dichte, lockige Borsten und eine Fettschicht, mit der sie selbst im Winter nicht frieren: Wollschweine. Am Mittwoch wurde bekannt, dass die Schweinerasse die „Gefährdete Nutztierrasse 2019“ sind. Deshalb sollten auch diese Schweine nicht in Vergessenheit geraten.

Sie sind gute Futterverwerter und setzen schnell Speck an. Und das, obwohl sie hauptsächlich Raufutter wie Heu, Stroh und Gras fressen. Aber sie haben ein Problem: Fast niemand will mehr Wollschweine haben und essen.

Fleisch ist vielen zu fett

Das liegt vor allem daran, dass das Fleisch der Wollschweine sehr fett ist. In den 1950er Jahren waren die Schweine deshalb noch sehr beliebt – so die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH). Das Problem: Mittlerweile haben sich die Essgewohnheiten der Menschen geändert. Der Trend ging immer mehr hin zum mageren Fleisch – und wurde zum Verhängnis der Wollschweine.

Wollschweine im Schnee; Foto: dpa/picture-alliance

Durch ihr dickes, borstiges Fell und ihre dicke Fettschicht kann Kälte den Wollschweinen wenig anhaben.

dpa/picture-alliance

Ist das Wollschwein in Sicherheit?

1993 dann der Schock: Im Ursprungsland Ungarn gab es auf einmal nur noch weniger als 200 Tiere der Rasse. Gerettet werden konnte das Wollschwein, weil Ungarn in den
1970ern staatliche Genbanken anlegte, um landestypische Rassen zu erhalten. Maßgeblich zum Durchbruch verhalf wohl jedoch die Entdeckung, dass sich aus dem Fleisch des Wollschweins hochwertiger spanischer Schinken produzieren lässt.

Und auch in Deutschland ist das Schwein vom Aussterben bedroht. Die Zahl der Tiere steigt aber auch bei uns wieder: Derzeit sind laut GEH 74 Blonde, 90 Rote und 123 Schwalbenbäuchige Wollschweine bei insgesamt 91 Züchtern erfasst. Tendenz steigend.

Wollschwein mit rotem Fell; Foto: dpa/picture-alliance

Ziemlich süß: ein rotborstiges kleines Wollschwein.

dpa/picture-alliance

Register soll Zucht der Tiere dokumentieren

Damit das Überleben der Wollschweine auch in Zukunft gesichert ist, gibt es seit 2017 ein Register, das die Zucht der Tiere dokumentieren soll. Denn um die Rasse nachhaltig zu
bewahren, braucht es noch deutlich mehr Bestand, sagt Rudolf Gosmann. Der Wollschwein-Züchter aus dem Landkreis Osnabrück ist GEH-Rassebetreuer.

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