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Isabel Gebhardt
Isabel Gebhardt, SWR3; Foto: SWR3
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Seit Jahren wird darüber diskutiert, jetzt hat Ministerin Klöckner das neue Tierwohl-Label vorgestellt. Es soll zunächst für Schweinefleisch gelten. Tierschützer sind mit den Änderungen aber nicht zufrieden.

Für das neue staatliche Tierwohl-Label sind mehreren Qualitätsstufen geplant. Die Kennzeichnung soll den Verbrauchern helfen, im Supermarkt zu erkennen, wie die Tiere gehalten werden. Außerdem soll es nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums Landwirte zu Verbesserungen anregen.

So sollen Tiere zum Beispiel mehr Platz im Stall haben. Auch beim Schlachten und dem Transport der Tiere soll es strengere Vorgaben geben. Insgesamt sind mehr als ein Dutzend Regeln geplant. Das Label soll voraussichtlich ab 2020 gelten und ist zunächst nur für die Haltung von Schweinen vorgesehen.

Dreistufiges System soll Qualität anzeigen

Geplant ist ein dreistufiges System. Die unterste Stufe sieht vor, dass Ferkel zum Beispiel 25 Tage bei der Mutter bleiben und von ihr gesäugt werden sollen. In der dritten und obersten Stufe sind es dann 35 Tage. Gesetzlich vorgeschrieben sind 21 Tage.

Julia Klöckner; Foto: dpa/picture-alliance

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU)

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Tiere sind Mitgeschöpfe, keine Wegwerfware.

Julia Klöckner

Außerdem sollen die Tiere mehr Platz bekommen. Vorgeschrieben sind gesetzlich 0,75 Quadratmeter pro Tier. Künftig sollen es laut Klöckner mindestens 20 Prozent mehr sein – also dann 0,9 Quadratmeter. In der obersten Stufe 1,5 Quadratmeter plus einen halben Quadratmeter Auslauf.

Wird Fleisch teurer?

Laut Klöckner werden die Vorgaben zu höheren Kosten für die Produzenten führen und damit auch zu höheren Preisen für die Verbraucher. „Jeder kann sich dann bewusst entscheiden, ob er in mehr Tierwohl investieren möchte.“, sagte sie. Um das Tierwohl-Label bekannt zu machen, plant sie eine mehrjährige Kampagne. Dafür sollen 70 Millionen Euro bereitgestellt werden.

Kritik von Tierschützern und Verbrauchern

Das Tierwohl-Label ist eine freiwillige Sache. Landwirte, die sich an die Vorgaben halten, dürfen die entsprechende Kennzeichnung verwenden – müssen es aber nicht.

Schwein im Stall; Foto: dpa/picture-alliance

Das neue Tierwohl-Label soll zunächst für die Haltung von Schweinen gelten. Der Start ist für 2020 geplant.

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Tierschützer begrüßen grundsätzlich, dass es ein einheitliches Label gibt. Kritiker fordern allerdings eine verpflichtende Kennzeichnung und werfen Klöckner vor, dass die Vorgaben nicht streng genug seien. Greenpeace sagt zum Beispiel, dass dadurch das Fleisch von Schweinen aus schlechter Haltung aufgewertet werde, statt Missstände zu beseitigen. Der Deutsche Tierschutzverband erklärte, die unterste Stufe des Labels sei eine Verbrauchertäuschung, die den Beinamen Tierwohl nicht verdient habe.

Der Chef der Verbraucherzentrale Bundesverband, Klaus Müller, kritisierte die Kriterien ebenfalls als unzureichend. Er betonte zudem, es solle ab 2020 nur noch eine Tierwohlkennzeichnung geben, „um keine Verwirrung zu stiften“. Im Januar hatte der Lebensmitteleinzelhandel mit mehreren Supermarkt-Ketten eine eigene Kennzeichnung zur Tierhaltung auf den Weg gebracht.

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