In Barcelona hat Europas erstes Sexpuppen-Bordell eröffnet. Kunden treffen dort nicht auf „echte“ Prostituierte, sondern auf extrem realistisch gestaltete Sexpuppen.

Das Bordell „Lumidolls“ ist gut versteckt in einem alten Stadthaus im Zentrum von Barcelona. Am Eingang hängt kein Schild. Wer online eine Stunde bei einer Sexpuppe bucht, erfährt per WhatsApp-Nachricht, wo er klingeln muss, um ins Bordell zu kommen. So war es auch bei David López Frías. Doch er besuchte den Club nicht als klassischer Kunde, David ist Journalist. Und weil „Lumidolls“ Reportern keine Interviews gibt, hat er sich auf diese Weise in das Bordell eingeschlichen – und für eine Stunde mit einer Puppe 80 Euro bezahlt.

Sexpuppen-Bordell; Foto: David López Frías
David López Frías

Die Atmosphäre ist nicht schmuddelig, wie man es von einem typischen Bordell erwarten würde, in dem man Frauen trifft. Es ist alles sauber. Du begegnest nur einer Person, unten am Empfang. Sie bringt dich auf ein Zimmer zu deiner Puppe. Alles ist total intim.

David López Frías, Journalist in Spanien

Körper mit einer Art Silikon gefüllt

Kunden können sich bei der Reservierung zwischen vier verschiedenen Sexpuppen auswählen. Doch Davids Wunsch-Puppe war nicht frei – ihm wurde Lily zugeteilt: 1,61 Meter groß, 40 Kilo leicht, lange rötliche Haare und eine große Oberweite. Lily hat einen asiatischen Touch. Auf Fotos sieht sie auf den ersten Blick aus wie eine reale Frau. Doch ihr Körper ist mit einer Art Silikon gefüllt.

Sexpuppen-Bordell; Foto: David López Frías
David López Frías

Ich habe sie erst einmal genau gemustert: Wie fühlt sie sich an, welche Temperatur hat ihr Körper, aus welchem Material ist sie hergestellt? Dann entdeckte ich, dass eine ihrer Brüste kaputt war, total verformt. Außerdem saß die Perücke nicht richtig. Teile des Körpers hatten Farbspuren – offenbar von einem Kleid, das sie davor anhatte. Und ein Auge schielte!

David López Frías

 Anscheinend war ein anderer Kunde ziemlich hart mit Lily umgegangen. Das Bordell verspricht zwar, dass die Puppen nach jedem Besuch gründlich gereinigt und desinfiziert werden – doch für eine Generalüberholung hatte die Zeit wohl nicht ausgereicht. David sagt, sein Besuch sei rein journalistisch gewesen.

„Nur ein weiteres Angebot auf dem Sex-Markt“

Ich hatte keinen Sex mit der Puppe. Ich bin Journalist. Ich war dort, um über dieses Bordell zu informieren. Ich glaube, die Zielgruppe des Clubs sind nicht die normalen Bordell-Gänger. Denn dieses Angebot ist deutlich teurer. Ich denke, das Ganze richtet sich mehr an Leute, die einen Fetisch für Puppen haben.

David López Frías

Das glaubt auch Memen Priz von der Organisation Hetaria, die sich für die Rechte von Prostituierten einsetzt. Sie schätzt die Gruppe der interessierten Kunden als eher klein ein. Deshalb werde es nicht zu einem Boom von Puppen-Bordellen in Europa kommen – und klassische Bordelle auch nicht aussterben.

Sexpuppen-Bordell; Foto: David López Frías
David López Frías

Eine Maschine kann niemals mit einem Mensch konkurrieren. Bankautomaten sind ja auch keine echte Konkurrenz für Bankangestellte. Die Puppen sind nur ein weiteres Angebot auf dem Sex-Markt, auf das die Menschen nun zurückgreifen können.

Memen Priz von der Organisation Hetaria

Das Puppen-Bordell in Barcelona scheint jedenfalls gut zu tun zu haben. David erzählt, dass die meisten seiner Wunschtermine für den Recherchebesuch ausgebucht waren. Auch wenn der Club ein Nischenprodukt ist: Das Geschäftsmodell geht offenbar auf.