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Laura Bisch
Laura Bisch, SWR3; Foto: SWR3
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Das erste schwimmende Atomkraftwerk, die „Akademik Lomonossow“, hat von der nordrussischen Hafenstadt Murmansk abgelegt. Russland sagt: Es soll für schwer zugängliche Regionen Strom und Wärme liefern. Umweltschützer warnen dagegen vor einer möglichen Katastrophe im Polarmeer.

Modell des ersten schwimmenden AKWs; Foto: imago images / ITAR-TASS

Ein Modell des ersten schwimmenden Atomkraftwerks.

imago images / ITAR-TASS

Neben Strom und Wärme für schwer zugängliche Regionen soll die mobile Anlage auch Energie für Gas- und Ölbohrinseln auf See liefern. Das Kraftwerk mit zwei Atomreaktoren an Bord werde innerhalb der nächsten zwei Monate an seinem Zielort, der Stadt Pewek im Fernen Osten Russlands, ankommen. Das gab der russische Atomkonzern Rosatom am Freitag bekannt.

Bis dahin hat es eine rund 5.000 Kilometer lange Reise durch die Arktis vor sich, für die insgesamt vier bis sechs Wochen eingeplant sind. Ob die Zeit reicht, hängt nicht nur vom Wetter ab, sondern auch von der Masse an Eis auf der Route. Allerdings ist die sogenannte Nordost-Passage, die den Atlantik und den Pazifik entlang der Nordküste Russlands verbindet, inzwischen einfacher zu befahren: Durch den Klimawandel ist auch dort viel Eis geschmolzen – Schiffe kommen einfacher durch.

Umweltschützer warnen vor einer Katastrophe

Das millionenschwere Projekt ist sehr umstritten: Umweltschützer warnen vor einem „Tschernobyl auf Eis“ und einer „Atom-Titanic“.

Wegen „möglicher AKW-Risiken“: Deutschland stock Jod-Vorrat auf

Es sei nicht möglich, das AKW vollständig vor äußeren Bedrohungen zu schützen, sagte Wladimir Sliwjak von der Umweltorganisation Ecodefense. Die größte sind dabei wohl Stürme:

In jedem Atomkraftwerk kann es zu Unfällen kommen, aber die 'Akademik Lomonossow' ist zudem besonders anfällig für Stürme. Jeder Zwischenfall hätte verheerende Auswirkungen auf die sensible Umwelt der Arktis. Nicht zu vergessen, dass es dort keine Infrastruktur für die mögliche Reinigung und Krisenbewältigung gibt.

Raschid Alimow von Greenpeace Russland

Leider sei das Ganze eine „sehr riskante Technologie“. Und eine teure noch dazu: Die riesige Plattform, auf der das Atomkraftwerk steht, hat keine eigenen Motoren. Um voranzukommen, muss die von mehreren Schiffen geschleppt werden.

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