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In China nimmt die Zahl der bestätigten Ansteckungen mit dem Coronavirus weiter zu. Einem Expertenteam zufolge ist das Virus auch von Mensch zu Mensch übertragbar.

Offenbar breitet sich die mysteriöse Lungenkrankheit sehr viel schneller aus als bisher gedacht. Aus China hieß es am Montag, weitere Menschen hätten sich mit dem Coronavirus angesteckt. Die Zahl der Infizierten sei auf 201 gestiegen. Am Montagabend wurde der Tod eines vierten Patienten bekannt.

Aus Wuhan 17 weitere bestätigte Fälle

Die chinesische Regierung bestätigte, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragen wird. Es wurde mittlerweile bei mindestens 15 Krankenhausangestellten in Wuhan nachgewiesen. Coronaviren werden normalerweise von Tieren auf Menschen übertragen. Grund für die neue Art der Übertragung könnte eine weitere Mutation des Virus sein.

Das britische Zentrum für die Analyse globaler Infektionskrankheiten am Imperial College London hatte zuvor bereits die Zahl von 1.700 Infizierten mit einem Modell errechnet. In der Studie heißt es:

„Es ist wahrscheinlich, dass der Ausbruch des neuen Coronavirus in Wuhan bedeutend mehr Fälle mit mittleren oder schweren Erkrankungen verursacht hat als bisher berichtet.“

Noch keine Reisewarnung der Weltgesundheitsorganisation

Das Imperial College berät auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die britische Regierung. Das Rechenmodell basiert auf drei in Thailand und Japan festgestellen Infektionen, der Zahl der Flugreisenden, der Größe der Bevölkerung und der Inkubationszeit. Im Einzugsgebiet des Flughafens von Wuhan leben rund 19 Millionen Menschen – und nur 3.400 von ihnen fliegen pro Tag ins Ausland.

Das Virus kommt vermutlich von einem Tiermarkt in Wuhan, 198 Fälle tauchten auch in der elf-Millionen-Metropole auf. Die zwei Infizierten in Thailand und ein Mensch mit dem Virus in Japan hatten diesen Markt aber nicht besucht. Eine weitere Infektion tauchte bei einem Menschen in Südkorea auf.

Eine Reisewarnung für Wuhan hat die WHO bisher nicht ausgesprochen. Die US-Gesundheitsbehörde riet allerdings dazu, Tiermärkte und den Kontakt zu Tieren und erkrankten Menschen zu meiden. Sie hatte zuvor bereits gemutmaßt, dass sich das Virus auch von Mensch zu Mensch übertragen lässt.

Experten: Coronavirus ähnelt Sars

In den USA wie auch in asiatischen Nachbarländern Chinas gibt es an Flughäfen mittlerweile Fieberkontrollen für Reisende aus Wuhan. Die Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am kommenden Samstag hat in China bereits eingesetzt. Es ist die größte jährliche Völkerwanderung, Hunderte Millionen Chinesinnen und Chinesen sind zu dieser Zeit unterwegs. Das erhöht das Übertragungsrisiko infektiöser Krankheiten.

Coronaviren verursachen oft harmlose Krankheiten wie Erkältungen. Doch auch Erreger gefährlicher Atemwegskrankheiten wie Sars und Mers gehören dazu. Der neue Erreger ist Experten zufolge ähnlich wie Sars (Severe Acute Respiratory Syndrome, zu Deutsch: Schweres Akutes Atemwegssyndrom). An der Lungenseuche starben vor mehr als 15 Jahren knapp 800 Menschen.