Ein Mitarbeiter der US-Notfallbehörde drückt beim Schichtwechsel einen falschen Knopf – und auf allen Mobiltelefonen in Hawaii blinkt eine Notfall-SMS. Sie warnt vor einer Rakete, die es eigentlich gar nicht gibt.

8:07 Uhr: Rakete im Anflug

„Bedrohung durch ballistische Rakete Richtung Hawaii. Sofort Schutzraum aufsuchen. Dies ist keine Übung.“ So lautete die Alarm-SMS, die die Bewohner Hawaiis morgens um 8:07 Uhr Ortszeit auf ihre Handys bekamen – und sie von da an ganze 38 Minuten glauben ließ, dass eine Rakete im Anflug auf die Insel sei.

Auch im laufenden Fernsehprogramm und im Radio wurde die Warnung gesendet. Daraufhin taten die Menschen in Hawaii das, was ihnen so dringend angeraten wurde: sie suchten Schutz – in Badewannen, Geschäften, Kellerräumen und sogar in Straßengullys. Viele brachen in Panik aus.

Touristen wurden gebeten, ihre Hotels nicht zu verlassen. Michael Sterling aus Los Angeles ist einer von ihnen. Auch er wusste nicht so recht, wie er sich vor einer Rakete schützen sollte:

Ich habe mich gefragt, was wir tun können. Es gibt nichts, was man bei einer Rakete tun kann.“

Urlauber auf Hawaii

8:22 Uhr: „Fehlalarm“

Nach einer Viertelstunde gab das Militär dann aber bekannt, dass die Nachricht ein Fehlalarm gewesen sei.

Gouverneur von Hawaii; Foto: picture alliance / George F. Lee/The Star-Advertiser via AP/dpa

Vern Miyagi, Leiter der Katastrophenshutzbehörde HEMA von Hawaii (links), und David Ige (rechts), Gouverneur des US-Bundesstaates Hawaii, erklären bei einer Pressekonferenz wie es zu dem Fehlalarm kommen konnte.

picture alliance / George F. Lee/The Star-Advertiser via AP/dpa

Doch es dauerte insgesamt 38 Minuten, bis die Entwarnung für alle 1.4 Millionen Inselbewohner kam.

Der Grund für den Fehlalarm: menschliches Versagen. Wie Gouverneur David Ige später erklärte, hatte ein Mitarbeiter der Notfallbehörde beim Schichtwechsel aus Versehen auf den falschen Knopf gedrückt. Er entschuldigte sich für den Vorfall und versprach, alles zu unternehmen, damit so etwas nicht noch mal vorkomme. Als erste Maßnahme soll jetzt das Alarmsystem überprüft werden.

Spannung sowieso hoch wegen Nordkorea

Wegen der Spannungen zwischen den USA und Nordkorea ist die Nervosität im westlichsten US-Bundesstaat Hawaii besonders hoch – erst vor wenigen Wochen wurden die monatlichen Testläufe der Alarmsirenen wiederaufgenommen, die vor einem Atomangriff warnen sollen.

Denn: Ende November hatte Nordkorea nach dem Test einer Interkontinentalrakete erklärt, das gesamte Gebiet der USA sei nun in Reichweite nordkoreanischer Atomwaffen. Hawaii ist auch ein bedeutender US-Militärstützpunkt.