Stand:

Der Tatverdächtige im Fall des jüngsten Hackerangriffs ist offenbar durch den Hinweis eines Bekannten aus dem Internet identifiziert worden. Jan Schürlein aus Heilbronn schildert im Gespräch mit Kontraste seinen Kontakt zu „0rbit“.

Johannes S., der mutmaßliche Hacker, der unter dem Pseudonym „0rbit“ bekannt ist, soll durch einen Hinweis des 19-jährigen Heilbronners Jan Schürlein identifiziert worden sein, der jahrelang mit ihm via Internet in Kontakt stand. Dies berichtet Schürlein im Interview mit dem ARD-Politikmagazin Kontraste.

Am vergangenen Sonntag suchten Ermittler des Bundeskriminalamtes (BKA) Schürlein an seiner Wohnadresse in Heilbronn auf und präsentierten einen Durchsuchungsbeschluss. Der 19-Jährige wurde von der Polizei als Zeuge angesehen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnräume wurden dann technische Geräte sichergestellt. Zudem befragten die Ermittler den Angestellten, der im IT-Bereich arbeitet.

„BKA hat so einen Druck aufgebaut, da habe ich eben kooperiert“

„Von mir aus hätte ich mich bei den Behörden nicht gemeldet. Da das BKA aber so einen Druck aufgebaut hat, habe ich eben kooperiert und die gesamten Infos, die ich dazu habe, herausgegeben – beziehungsweise dieses eine brisante Detail“, sagte Schürlein zu Kontraste.

Das brisante Detail, das laut seinen Angaben zur Identifizierung von Johannes S. geführt hat: Johannes S. war bereits polizeibekannt. Nach Schürleins Angaben habe er den Ermittlern mitgeteilt, dass es bereits in der Vergangenheit eine polizeiliche Maßnahme bei „0rbit“ gegeben habe. „Die Bullen stehen gerade vor der Tür“ habe ihm „0rbit“ im Oktober 2016 in einem Chat geschrieben. Das BKA habe aufgrund der genauen Datumsangabe ermitteln können, wer an diesem Tag von der Polizei aufgesucht worden sei.

Aus Sicherheitskreisen wurde dazu lediglich bestätigt, dass die Aussage Schürleins wesentlich zur Identifizierung des Verdächtigen beigetragen habe.

Auf einem Computerbildschirm ist ein Profil beim sozialen Netzwerk Twitter zu sehen, bei dem auf gestohlene Daten von Politikern verlinkt wird.; Foto: dpa/picture-alliance

Die Daten wurden als eine Art Adventskalender auf Twitter veröffentlicht.

dpa/picture-alliance

Heilbronner wusste von einzelnen Angriffen „Orbits“

Johannes S. wurde daraufhin nur Stunden später von der Polizei in seinem Wohnort in Homberg (Ohm) aufgesucht. Dabei soll er zunächst nicht kooperativ gewesen sein. Nach Informationen von Kontraste habe seine Mutter ihm aber ins Gewissen geredet, so dass der Schüler die Tat schließlich umfassend gestanden und auch über seine eigene Tat hinaus Angaben gemacht habe.

Schürlein, der selbst aus der Hackerszene stammt und bei dem es deshalb auch schon mehrfach Hausdurchsuchungen gab, räumt im Interview mit Kontraste auch ein, dass er vorab von einzelnen Datenangriffen und einer geplanten Veröffentlichung gewusst habe.

Er habe S. aufgefordert, private Dateien von Prominenten nicht zu veröffentlichen. „Als ich mitbekommen habe, dass Sachen veröffentlicht wurden, habe ich ihn darum gebeten, gewisse Handynummern, beziehungsweise Daten zurückzuhalten.“ Das habe S. anfangs gemacht, „aber später war das dann eben auch egal, und die Sachen wurden von ihm veröffentlicht“, sagt Schürlein.

Rechte Gesinnung von Johannes S.

Insbesondere durch den Satiriker Jan Böhmermann habe der Hacker sich provoziert gefühlt, erzählt Schürlein im Interview. Böhmermanns Aktion „Reconquista Internet“, mit der er sich gegen eine rechtsradikale Hassbewegung im Netz unter dem Namen „Reconquista Germanica£ gestellt hatte, hätte den Hacker offenbar massiv gestört.

„Er ist auf jeden Fall ein bisschen rechtsorientiert, rechtsextrem auf keinen Fall würde ich jetzt mal direkt sagen“, sagt Schürlein über ihn. „Aber er hat ein starkes Problem mit den Flüchtlingen beziehungsweise mit der Flüchtlingspolitik“. Er habe sich „abgrundtief negativ über Flüchtlinge geäußert, 'sowas gehört nicht nach Deutschland', genauso natürlich auch negativ zum Islam, eine negative Einstellung, dass das ja alles Terroristen seien“, schildert Schürlein..

Johannes S. soll seine Opfer nach Angaben Schürleins auch in der realen Welt ausgespäht haben. „Er ist zu manchen Häusern und Privatadressen hingefahren, um sich vor Ort ein Bild zu machen, das geht ja schon bisschen in Richtung Stalking, fand ich sehr komisch“, berichtet Schürlein.

Autor
Tagesschau
Autor
SWR3