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In der Nervengift-Affäre um den ehemaligen Spion Sergej Skripal müssen Diplomaten aus beiden Ländern zurück in ihre Heimat. Jetzt sollen unabhängige Experten den Fall untersuchen.

Ex-Spion Sergej Skripal und seine Tochter Julia; Foto: dpa/picture-alliance

Ex-Spion Sergej Skripal und seine Tochter Yulia

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Knapp zwei Wochen nach dem Giftanschlag auf den Russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter sickert langsam durch, wie es zu dem Anschlag kommen konnte. Die britische Zeitung The Daily Telegraph schreibt, dass das bei der Attacke verwendete Nervengift in den Koffer der Tochter geschmuggelt wurde, bevor die beiden aus Russland ausreisten.

Die Behörden gehen demnach davon aus, dass das Gift auf einem Kleidungsstück oder in Kosmetik war. Möglicherweise seien die beiden Opfer dann in Skripals Haus in Großbritannien mit dem Gift in Kontakt gekommen, hieß es unter Berufung auf nicht näher beschriebene Quellen. Eine offizielle Bestätigung dieser Informationen gibt es aber noch nicht.

Giftgas wird untersucht

Nun soll das Attentat von unabhängiger Stelle untersucht werden. Experten der Organisation für das Verbot chemischer Waffen werden morgen in Großbritannien erwartet. Sie sollen untersuchen, um welches Nervengift es sich genau handelt und woher es stammt. Ein russischer Botschafter glaubt, dass das Gift aus einem britischen Labor kommt. Der Diplomat hat der BBC gesagt, dass ein Militärlabor nur wenige Kilometer vom Tatort entfernt liegt. Dort könnten Proben des Nervengifts gelagert worden sein, heißt es.

Diplomaten müssen gehen

Als Reaktion auf den Giftanschlag hatte die britische Regierung bekannt gegeben, 23 russische Diplomaten aus dem Land zu verweisen. Jetzt zieht auch Russland hinterher - und zwar mit dem exakt gleichen Schachzug. Am Samstag verkündete die russische Regierung, 23 britische Diplomaten werden des Landes verwiesen.

Zustand ist weiter kritisch

Der Spion war Anfang März zusammen mit seiner Tochter von Russland nach London geflogen. Einen Tag später wurden die beiden bewusstlos auf einer Bank vor einem Einkaufszentrum gefunden. Sie befinden sich seitdem in einem Krankenhaus – ihr Zustand ist kritisch.


Westen will Aufklärung

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat bei einem Besuch der Pariser Buchmesse den russischen Pavillion boykottiert. Er sagte, er werde aus Solidarität mit Großbritannien nicht zum russischen Stand gehen.

Die westlichen Staaten fordern eine Aufklärung des Falls. Am Donnerstag hatten die USA, Großbritannien, Deutschland und Frankreich eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht. Darin heißt es, man sei entsetzt über den Giftanschlag und fordere Russland zur Aufklärung auf.

Wer steckt dahinter?

Nach offiziellen Angaben handelt es sich bei dem Gift um ein Gift der Gruppe der Nowitschok-Gifte. Sie wurden in den 70er- und 80er-Jahren in der Sowjetunion entwickelt. Deshalb glauben Großbritanniens Premierministerin Theresa May und der gerade entlassene US-Außenminister Rex Tillerson, dass Russland für den Angriff verantwortlich ist.