Wie konnte es zum Loveparade-Unglück in Duisburg kommen? Dieser Frage muss das Landgericht nachgehen. Und der Prozess könnte eines der größten Verfahren der Nachkriegszeit werden.

Es musste extra eine Halle in Düsseldorf angemietet werden, das öffentliche Interesse ist riesig: Ab dieser Woche untersucht das Landgericht Duisburg die Loveparade-Katastrophe.

Was war im Sommer 2010 eigentlich passiert?

Tausende Menschen drängen sich bei der Loveparade in Duisburg vor dem Tunnel; Foto: dpa/picture-alliance

Bei einer Massenpanik auf der Loveparade kamen 21 Menschen ums Leben, über 600 wurden verletzt.

dpa/picture-alliance

Am 24. Juli 2010 kam es am Rande der Loveparade in Duisburg zu einer Massenpanik. Viel zu viele Menschen wollten fast zeitgleich durch den einzigen Zu- und Ausgang auf das Festivalgelände. Im Gedränge wurden viele Besucher erdrückt und niedergetrampelt. 21 Menschen aus sechs Ländern starben, über 600 weitere Personen wurden verletzt. Viele von ihnen leiden bis heute körperlich und seelisch unter den Folgen.

Wer sitzt auf der Anklagebank?

Insgesamt müssen sich zehn Menschen vor dem Landgericht Duisburg verantworten. Darunter sind vier leitende Mitarbeiter des damaligen Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg, die mit dem Genehmigungsverfahren befasst waren.

Der Vorwurf der Anklage lautet unter anderem fahrlässige Tötung und Körperverletzung. Ihnen wird vorgeworfen, bei der Planung des Events grobe Fehler gemacht zu haben. So hatten sie beschlossen, die Loveparade mit hunderttausenden Besuchern auf einem Gelände mit nur einem Ein- und Ausgang stattfinden zu lassen. Dieser bestand aus einer Rampe, die durch einen Tunnel auf das Gelände führte. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hätte den Angeklagten klar sein müssen, dass diese Rampe für die zu erwartenden Besucherströme nicht groß genug war.

Nicht angeklagt sind übrigens der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, Adolf Sauerland, und der Veranstalter der Loveparade, Rainer Schaller. Sie waren nach dem Unglück zwar massiv in die Kritik geraten, nach Ansicht der Ermittler sei ihnen strafrechtlich aber nichts vorzuwerfen.

Was erwartet uns im Mammutprozess?

Verhandlungssaal in der Messe Düsseldorf; Foto: dpa/picture-alliance

Extra für den Prozess angemietet: Der Verhandlungssaal bietet 500 Personen Platz.

dpa/picture-alliance

Eigentlich verhandelt das Landgericht Duisburg die Vorgänge um das Loveparade-Unglück. Da aber kein Saal des Gerichts groß genug ist, findet die Hauptverhandlung in einer Halle des Kongresszentrums in Düsseldorf statt. Diese bietet rund 500 Personen Platz, davon alleine 60 Nebenkläger, die 10 Angeklagten und ihre 30 Verteidiger.

Durch über 50.000 Seiten Akten wird sich das Gericht wühlen müssen, allein bis Ende 2018 sind 111 Verhandlungstage angesetzt. Und das Gericht steht unter Zeitdruck: Bis Ende Juli 2020 muss ein Urteil gefällt werden, sonst verjähren die Straftaten.

Sollte es zu einer Verurteilung kommen, drohen den Angeklagten Geld- oder bis zu fünfjährige Haftstrafen.