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Hans Liedtke
Hans Liedtke, SWR3; Foto: SWR3
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Ein Redakteur hat beim Nachrichtenmagazin Spiegel mehrere Geschichten gefälscht. Jetzt hat das Magazin den Betrugsfall an die Öffentlichkeit gebracht.

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hat offenbar einen Betrugsfall im eigenen Haus aufgedeckt. Der Reporter Claas Relotius flog wegen der Beschwerde einer amerikanischen Bürgerwehr auf. Er hatte einen Artikel über die Organisation geschrieben, ohne mit einem Vertreter gesprochen zu haben.

Sein Reporter-Kollege Juan Moreno habe an der Echtheit der Fakten gezweifelt. Nach eigenen Recherchen entlarvte Moreno die Fake-Geschichte. Relotius habe in „großem Umfang seine eigenen Geschichten gefälscht und Protagonisten erfunden“, heißt es in einem auf Spiegel Online veröffentlichten Bericht.

Betrugsfall beim Spiegel; Foto: SWR3.de

Nachrichten Betrugsfall beim Spiegel

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Aberkennung der Preise zuvorgekommen

Der Journalist habe auf den vier Mal an ihn verliehenen Deutschen Reporterpreis verzichtet, sagte der Journalist Cordt Schnibben vom Reporter-Forum der Deutschen Presse-Agentur. Der Ex-Spiegel-Redakteur habe sich per SMS beim Reporter-Forum gemeldet und sich entschuldigt. Damit sei er einer Aberkennung des Preises zuvorgekommen. Relotius war in den Jahren 2013, 2015, 2016 und 2018 ausgezeichnet worden.

Mindestens 14 Artikel in Teilen gefälscht

Erste Verdachtsmomente hatte es laut Spiegel nach einem im November 2018 veröffentlichten Text gegeben. Relotius habe in mehreren Fällen eingeräumt, Geschichten erfunden oder Fakten verzerrt zu haben. Seinen eigenen Angaben zufolge sind mindestens 14 Geschichten betroffen und zumindest in Teilen gefälscht.

Textpassagen und Protagonisten erlogen

Juan Moreno, der eine Geschichte zusammen mit dem Redakteur recherchiert habe, sei misstrauisch geworden und habe Bedenken geäußert, schreibt der Spiegel. Ihm sei es gelungen, Material gegen den Kollegen zu sammeln.

Nach anfänglichem Leugnen, so Spiegel Online weiter, habe Relotius eingeräumt, dass er viele Passagen nicht nur in dem einen Text, sondern auch in anderen erfunden habe. Auch sei er Protagonisten, die er in seinen Storys zitiert habe, nicht begegnet.

Vor seiner Zeit beim Spiegel hatte Relotius für mehrere andere Medien gearbeitet und auch einige Auszeichnungen erhalten.

Kommission soll Wiederholungsfälle vermeiden

Die Leitung des Spiegels will eine Kommission aus internen und externen Experten einsetzen. Sie sollen den Hinweisen auf Fälschungen nachgehen. Die Ergebnisse sollen öffentlich dokumentiert werden, „um die Vorgänge aufzuklären und um Wiederholungsfälle zu vermeiden“, wie es auf Spiegel Online heißt. „Ausschließen lassen sie sich, auch bei bestem Willen, nicht.“