Wo stand eigentlich die Mauer? Diese Frage hat sich vermutlich schon jeder einmal gestellt, wenn er durch Berlin gelaufen ist. Am Jahrestag des Mauerbaus erinnert man sich besonders an die Zeit, in der Deutschland geteilt war.

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Dieser Satz von SED-Chef Walter Ulbricht ist wohl eine der dreistesten Lügen in der Geschichte. Denn fast genau zwei Monate später passierte es. In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 gab Ulbricht den Befehl zum Bau des Grenzwalls in Berlin – Steinmauern und Stacheldrahtzäune wurden aufgestellt.

Hinter dem Stacheldrahtverhau in der Bernauer Straße stehen Volkspolizisten mit dem Gewehr im Anschlag.; Foto: dpa/picture-alliance

Am 13. August 1961 wurden Straßensperren aus Stacheldraht aufgebaut und mit dem Bau der Mauer begonnen

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In den folgenden Tagen und Monaten entstand zwischen Ost- und West-Berlin eine rund 155 Kilometer lange Mauer. Die Folge: Die Menschen konnten nicht mehr aus einem Teil der Stadt in den anderen. Familien, Freunde und Nachbarn wurden getrennt.

Mauer sollte Flüchtlinge stoppen

Die politische Führung der DDR feierte den Bau der Mauer – die sie „antifaschistischen Schutzwall“ nannten – als Sieg des sozialistischen Lagers über den westlichen Imperialismus. Im Wesentlichen ging es aber darum, den Flüchtlingsstrom zu stoppen. Denn bis zum Mauerbau waren jedes Jahr Hunderttausende von der DDR in den Westen geflohen.

Arbeitererhöhen die Sektorensperre an der Bernauer Straße im August 1961; Foto: dpa/picture-alliance

Arbeiter erhöhen die Sektorensperre an der Bernauer Straße im August 1961

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Berlin war damals quasi das einzige Schlupfloch in der fast 1.400 Kilometer langen Grenze zwischen Ost- und West-Deutschland. Und das sollte durch die Mauer gestopft werden.

„Unüberwindbare“ Grenze

Neben der eigentlichen Mauer wurden von der DDR-Führung mit der Zeit Gräben, Wachtürme und Schießanlagen aufgebaut. Abgerichtete Wachhunde wurden eingesetzt. Das alles machte die Grenze fast unüberwindlich. Viele versuchten dennoch ihr Glück – und bezahlten es mit ihrem Leben. Bei dem Versuch, in den Westen zu gelangen, starben in Berlin mindestens 140 Menschen. Insgesamt geht man davon aus, dass 235 Menschen entlang der Grenze zwischen Ost- und West-Deutschland ums Leben kamen.

Symbol für die Teilung Deutschlands

Mehr als 28 Jahre lang teilte die Mauer Ost- und Westberlin. Sie wurde zum Symbol des Kalten Krieges und der Teilung Deutschlands.

Doch Ende der 1980er-Jahre verlor die DDR-Führung den Rückhalt der Sowjetunion. Die Folge: politische Instabilität. Auch das Wirtschaftssystem brach zusammen. In allen großen Städten protestierten Menschen für ihre Freiheit. Mit Erfolg. Denn am Abend des 9. November 1989 wurde die Grenze zwischen Ost und West überraschend geöffnet. An diesem Abend stürmten Tausende die Grenzübergänge und feierten den sogenannten Fall der Mauer.

Jubelnde Menschen sitzen mit Wunderkerzen auf der Berliner Mauer am 11.11.1989; Foto: dpa/picture-alliance

Jubelnde Menschen sitzen auf der Berliner Mauer und feiern die Grenzöffnung

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Pflastersteine sollen erinnern

Heute sind die Spuren der Mauer fast verschwunden. In Berlin sind nur noch etwa 1,5 Kilometer Mauerreste zu finden. In den ehemaligen Sperrgebieten wurden zum Beispiel neue Häuser gebaut – die Grenze wurde so weitgehend unsichtbar. Doch damit die Zeit der Trennung nie vergessen wird, wurden Pflastersteine verlegt. Sie erinnern an den früheren Verlauf der Mauer und an das, was sie für die Menschen bedeutet hat.