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Säcke voller Bargeld und ein Raum zum Scheine-Zählen bei der US-amerikanischen Steuerbehörde – das ist die Realität in den USA, seit in einigen Bundesstaaten Cannabis legalisiert wurde. Wir erklären, warum das so ist.

Es ist ein Dilemma: Die Legalisierung von Cannabis in einigen US-Bundesstaaten sorgt für mächtigen Umsatz, der Umsatz sorgt für mächtige Steuerabgaben – aber die Banken wollen nichts mit Geld zu tun haben, dass durch den Verkauf einer Droge erwirtschaftet wurde.

Cannabis wird noch immer bundesweit als Droge eingestuft

Es ist nämlich so: Auch wenn Cannabis in mehr als 33 US-Bundesstaaten mehr oder weniger legal ist, gilt Marihuana auf Bundesebene eben noch immer als Droge. Dabei wird auch nicht zwischen Cannabis und anderen Stoffen wie Kokain oder Heroin unterschieden, die in keinem Bundesstaat legal sind.

Weil die Banken also nichts mit dem Drogengeld zu tun haben wollen, machen die Cannabis-Läden keine Überweisung, um ihre Steuern zu bezahlen – sie packen das ganze Geld in Taschen und Säcke und fahren damit zu einem geheimen Treffpunkt mit Beamten der Steuerbehörde. Und selbst diejenigen Banken, die sich das „Drogengeld“ einbezahlen lassen, kommen für viele – vor allem kleine – Cannabis-Geschäfte nicht in Frage. Denn: Die Banken lassen sich ihren „riskanten“ Service teuer bezahlen.

Was tun mit dem ganzen Bargeld?

Das Problem ist nun aber, dass die US-Bundessteuerbehörde IRS gar nicht mehr gewohnt ist, Steuergelder bar übermittelt zu bekommen. Die meisten Unternehmen in den USA bezahlen die nämlich elektronisch oder eben per Scheck. Und auch logistisch steht die Behörde jetzt vor einer Herausforderung, denn es braucht gesetzlich immer einen extra gesicherten Raum, um das ganze Bargeld zu zählen. Außerdem dürfen die Mitarbeiter beim Zählen nie alleine sein.

Steuerbehörde holt sich Unterstützung

Genau aus diesen Gründen hat die IRS jetzt eine gemeinnützige Organisation angeheuert, die dabei helfen soll, das viele Bargeld aus den Cannabis-Geschäften weiterzuverarbeiten. Wie genau diese Hilfe dann am Ende aussieht, ist noch nicht bekannt – weder die Behörde noch die Organisation wollen sich zu dem Vertrag äußern. Sicher sei aber, dass die Bundessteuerbehörde etwa 1,7 Millionen Dollar für den Service bezahlt hat. Das schreibt die Süddeutsche Zeitung.

Autor
Laura Bisch
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SWR3