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Laura Bisch
Laura Bisch, SWR3; Foto: SWR3
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Bunte Luftballons gehören zu vielen Geburtstagen und Hochzeiten dazu – und auch zum Wahlkampf der Grünen. Doch die Grünen-Landeschefin in Niedersachsen, Anna Kura, ist dafür, in Zukunft darauf zu verzichten. Die Frage ist bloß: Wie weit kommen wir ohne ein Verbot?

Die Grünen in Niedersachsen befürworten einen Verzicht auf das Steigenlassen gasgefüllter Luftballons. Heißt: Es wäre besser, darauf zu verzichten – ein Verbot soll es aber nicht geben. Das stellte die Landespartei-Chefin Anne Kura klar: Sie verlange kein grundsätzliches Verbot – Luftballons auf Kindergeburtstagen im Wohnzimmer seien völlig okay und „machen Spaß“, schrieb die Politikerin am Donnerstag in einem Facebook-Posting:

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Es geht um Tiere, die die Ballon-Hüllen fressen

Der Knackpunk ist: Wenn gasgefüllte Luftballons in der Natur steigen gelassen werden, landen sie irgendwann irgendwo – und werden immer wieder von Tieren gefressen. Da die Kunststoffhülle des Ballons sich im Magen der Tiere nicht zersetzt, verenden die oft qualvoll.

Aber wie soll es ohne Verbot gehen?

Dafür, dass es auch ohne Verbot funktioniert, gebe es viele Beispiele aus der Praxis – auch aus Deutschland. Im nordrhein-westfälischen Gütersloh gibt es zum Beispiel seit Anfang September einen Beschluss, nach dem bei städtischen Veranstaltungen in Zukunft keine gasgefüllten Luftballons mehr steigen gelassen werden. Das gilt auch für alle anderen öffentlichen Flächen in Gütersloh. In Einzelfällen, die auf höherrangigem Recht beruhen, etwa bei Demonstrationen, könne der Aufstieg von Ballons allerdings nicht komplett verhindert werden, heißt es.

In den Niederlanden gebe es darüber hinaus schon jetzt viele Kommunen, in denen ähnliche Regelungen wie in Gütersloh gelten, betonte Kura. Dadurch sei das Bewusstsein dafür gestiegen, dass man mit einem Luftballon „im Prinzip Müll in die Natur steigen lässt“. Und darum gehe es schließlich bei solchen Beschlüssen auch: ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen, die vielen bisher vielleicht nicht bewusst war. Ganz ohne Verbot.

Andere Parteien kritisieren den Vorstoß als „Verbotswahn“

Obwohl es bei dem Vorstoß der niedersächsischen Grünen ausdrücklich nicht um eine Verbot geht, kritisierte der FDP-Fraktionsvize im Bundestag, Michael Theurer, die Partei als verbotswahnsinnig. Die Partei wolle eine „Öko-Radikalisierung“ der Bevölkerung:

Wenn der Staat so dirigistisch, so autoritär, vor allen Dingen auch so kleinteilig in die individuellen Lebensentwürfe der Menschen eingreift, braucht man sich am Ende nicht wundern, wenn man in einer Ökodiktatur aufwacht.

Michael Theurer, FDP-Franktionsvorsitzender im Bundestag

Die CDU Niedersachsen schrieb auf Twitter über die Grünen als Partei, die „allen Kindern im Land ihre Ballons wegnahm“. Der Braunschweiger CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Müller nannte die Forderung „ein neues Kapitel im Buch der grünen Verbotspolitik“.

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Er verwies zudem auf den Online-Shop der Grünen: „Für 15 Cent das Stück sind hier nach wie vor grüne Luftballons bestellbar“, sagte Müller.

Die Grünen-Landeschefin Kura sagte, der niedersächsische Landesverband habe sich darauf verständigt, bei eigenen Veranstaltungen keine Ballons mehr steigen zu lassen: „Ich persönlich werde keine Luftballons mehr steigen lassen und wir sind bemüht, uns alternative Möglichkeiten zu überlegen für den Straßenwahlkampf.“

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