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Hans Liedtke
Hans Liedtke, SWR3; Foto: SWR3
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In deutschen Läden klingelt weniger Kleingeld in den Kassen – doch so richtig trauen sich die Verbraucher noch nicht an neue Bezahlmethoden ran. Sie fürchten um ihre Daten.

In Ländern wie Dänemark und China zücken viele beim Einkaufen längst keine Geldbörse mehr. Bezahlt wird mit Karte oder mit dem Handy. Auch in Deutschland kann man in immer mehr Läden das Smartphone an die Kasse halten.

Einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom zufolge haben rund 30 Prozent der Verbraucher schon mindestens einmal mit Handy oder Smartwatch bezahlt. Rund 70 Prozent machen das nicht – vor allem wegen Sicherheitsbedenken.

Das sind die Vorteile und Risiken

Mobiles Bezahlen „spart Verbrauchern Zeit und reduziert lange Schlangen an Kassen oder Fahrkartenautomaten“, wirbt Bitkom-Präsident Achim Berg.

Achim Berg sieht Vorteile für Verbraucher und Händler.; Foto: dpa/picture-alliance/Daniel Karmann

Achim Berg sieht Vorteile für Verbraucher und Händler.

dpa/picture-alliance/Daniel Karmann

Bitkom sieht auch Vorteile für Einzelhändler: weniger Ausgaben für Verwaltung und den Transport von Bargeld. Außerdem würden Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit erschwert, weil sich Zahlungsströme besser nachvollziehen ließen.

Die Kehrseite ist der Datenschutz. Mehr als jeder Vierte fürchtet um die Sicherheit seiner Daten. Tatsächlich könnten Anbieter theoretisch nachvollziehen, wo und was eingekauft wurde. Verbraucherministerin Katarina Barley (SPD) ruft die Anbieter auf, Datenschutz ernst zu nehmen – auch zum eigenen Vorteil: „Verbraucherinnen und Verbraucher werden neue Bezahlmethoden erst akzeptieren, wenn sie ihnen vertrauen und das Bezahlen damit gleichzeitig unkompliziert möglich ist“, sagt sie.

In Dänemark und Schweden weit verbreitet

Im internationalen Vergleich ist Deutschland damit beim mobilen Bezahlen noch Entwicklungsland. Am häufigsten zücken die Chinesen das Handy zum Bezahlen und machen sich dabei fast zum gläsernen Menschen, auch weil das rechtliche System in China die Verbraucher nicht schützt. In Europa mit seinen strengen Datenschutzbestimmungen ist mobiles Zahlen in Dänemark und Schweden weit verbreitet – unter anderem, weil das Vertrauen in den Staat hier größer ist als in Deutschland.

Bargeld wird es trotzdem geben

Katarina Barley will weiterhin Bargeldzahlungen gewährleisten.; Foto: dpa/picture-alliance/Bernd Thissen

Katarina Barley will weiterhin Bargeldzahlungen gewährleisten.

dpa/picture-alliance/Bernd Thissen

Fast jeder Zweite geht davon aus, dass Bargeld in fünf bis zehn Jahren nicht mehr das dominante Zahlungsmittel in Deutschland sein wird.

Rund 44 Prozent können sich inzwischen auch vorstellen, komplett auf Scheine und Münzen zu verzichten.

Barley macht auch klar: „Es ist unsere Aufgabe zu gewährleisten, dass man immer auch die Möglichkeit hat, nicht digital zu zahlen.“ Niemand dürfe gezwungen werden, Datenspuren zu hinterlassen, wo es nicht unbedingt nötig sei.