Autor
Christian Kreutzer
Christian Kreutzer, SWR3; Foto: SWR3
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„Rammsteins“ neues Lied „Deutschland“ spielt unter anderem mit Szenen aus dem Holocaust und provoziert damit. Wir haben es uns angeschaut.

Neun Minuten ist das Video zu „Deutschland“ lang. In diesen neun Minuten lassen „Rammstein“ ein optisches und musikalisches Gewitter über dem Zuschauer niedergehen. Es spielt gezielt mit deutschem Empörungspotenzial.

Rammstein führt von der Varus-Schlacht in die Nazizeit

Die Geschichtsstunde beginnt im Teutoburger Wald: Traumatisierte römische Legionäre stolpern durch das Grauen der Varusschlacht – beobachtet von germanischen Geistern, von Wölfen und von einer dunkelhäutigen Germania.

Sie tritt in jeder Szene erneut auf: als altdeutsche Königin und Feldherrin, als Nazi-Offizierin oder Stasi-Opfer. Ihr Gegenspieler ist Sänger Till Lindemann, dessen abgeschnittenen Kopf sie zum Einstieg in den Händen hält.

Rammstein; Foto: Rammstein

Rammstein-Sänger Till Lindemann als KZ-Häftling.

Rammstein

Rammstein zeigen Szenen aus dem Mittelalter, der Reformation, dem 19. Jahrhundert, aus der DDR, dem RAF-Terror im deutschen Herbst der 70er Jahre – und immer wieder Provokantes aus der Nazizeit.

„... will dich lieben, muss dich hassen“

Millionen haben das Video mittlerweile angeklickt. Manche machen sich Sorgen: Charlotte Knobloch, Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, findet, Rammstein verharmlose den Holocaust zu Marketingzwecken.

Im Video präsentieren sich die Musiker als KZ-Häftlinge kurz vor der Hinrichtung. Einer trägt einen Judenstern, einer den „rosa Winkel“ der homosexuellen Nazi-Opfer. Am Ende aber umringen die Opfer die Nazi-Offiziere und erschießen sie.

Der Refrain handelt von den unterschiedlichen Ansichten, die viele Deutsche über ihr Land haben: „Deutschland, mein Herz in Flammen, will dich lieben und verdammen“. „Deutschland, Deutschland über allen“, heißt es mehrmals.

Man kann es unterschiedlich sehen

Das Video spielt also mit dem, was Menschen hierzulande aufhorchen lässt. Stellenweise erinnert es auch daran, was versteckte Rechte „wohl noch sagen dürfen“ wollen.

Eine versteckte Werbung für rechtes Gedankengut ist „Deutschland“ aber offenbar nicht – eher das Gegenteil. Ob das Stück durch seine saloppe Herangehensweise den Holocaust „verharmlost“, kann man unterschiedlich beurteilen.

Hier könnt Ihr das ganze Video sehen (Vorsicht: Es enthält Szenen, die gewalttätig sind und manche womöglich verstören könnten):

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