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Unter ihr hätte sogar der Kölner Dom Platz: Die Hochmoselbrücke bei Zeltingen-Rachtig ist stellenweise 160 Meter hoch. Nach acht Jahren Bauzeit wurde sie jetzt für den Verkehr freigegeben.

Offiziell ist der Hochmoselübergang am Nachmittag eröffnet worden, die erste Spritztour darüber durften Politiker machen. Ab 18 Uhr können dann alle Fahrzeuge über den gesamten, 25 Kilometer langen Streckenabschnitt der Bundesstraße 50 fahren.

Kritiker sagen, dass die Brücke das Landschaftsbild zerstört und dadurch auch dem Tourismus schadet. Die Befürworter der Brücke hingegen sehen eine bessere Verkehrsanbindung, beispielsweise für den Hunsrück und die Eifel.

Die Hochmoselbrücke in Zahlen

Das größte Brückenbauprojekt Europas schafft eine direkte Straßenverbindung zwischen den Benelux-Staaten und dem Rhein-Main-Gebiet. Die Brücke verläuft quer über das Moseltal und erstreckt sich zwischen Ürzig und Rachtig im Kreis Bernkastel-Wittlich.

  • Die Hochmoselbrücke bei Zeltingen-Rachtig ist 160 Meter hoch.; Foto: picture alliance/Thomas Frey/dpa

    Die Hochmoselbrücke bei Zeltingen-Rachtig ist 160 Meter hoch. Im Sommer, bei weit über 30 Grad, asphaltierten Bauarbeiter den Belag – ohne Schatten durch Bäume oder Gebäude.

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    Bis zu 160 Meter hoch und 1,7 Kilometer lang ist die Brücke. Unter ihr hätte sogar der Kölner Dom mit seinen 157 Metern Höhe Platz.
  • Seit dem Baubeginn 2011 sind knapp acht Jahre vergangen.
  • Im Überbau der Brücke stecken 32.500 Tonnen Stahl – dreimal so viel wie das Gewicht des Eiffelturms in Paris. In den Unterbauten mit den Pfeilern verstecken sich knapp 40.000 Kubikmeter Beton. Im August 2018 trafen sich die beiden Seiten in der Mitte, was Brückenschlag genannt wird. Dieser entstand seit dem Sommer 2014 in 13 sogenannten Verschüben von großen Stahlträgern über die zehn Pfeiler.
  • Die Hochmoselbrücke ist mit ihrer Höhe bundesweit die Nummer zwei: Die Kochertalbrücke in Baden-Württemberg ist mit maximal 185 Metern noch höher.
  • Bei Tempo 100 brauchen Autofahrerinnen und Autofahrer nun nur noch eine Minute, um von der einen auf die andere Moselseite zu gelangen. Am 21. November soll die Brücke zum ersten Mal befahren werden.
  • Die Kosten des Neu- und Ausbaus der B50 zwischen den Benelux-Staaten und dem Rhein-Main-Gebiet belaufen sich auf mindestens 438 Millionen Euro. Auf die Brücke selbst entfallen rund 175 Millionen Euro.

Kritik an Optik und Sorgen um die Stabilität

Die Hochmoselbrücke bei Zeltingen-Rachtig; Foto: picture alliance/Thomas Frey/dpa

Die Hochmoselbrücke ist fast fertig.

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Die Mega-Brücke wurde auch wegen der Kosten viel kritisiert. Manche bemängelten zudem, dass das Bauwerk die Idylle der Landschaft im Moseltal zerstöre. Der Bauaufseher beim Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz, Christoph Schinhofen, sieht das anders. „Die Brücke baut das Tal nicht zu“, sagt er. Sie sei so „transparent wie möglich“ gebaut worden, mit großen Abständen zwischen schlanken Pfeilern und einem schlanken Überbau.

Allerdings gibt es nach wie vor Sorgen um die Standfestigkeit der Brücke auf der Eifel-Seite. Ortsbürgermeisterin Waters sagt:

Es hört sich nach den Ausführungen der Experten sicher an. Die Frage ist aber, ob es wirklich sicher ist.

Bianca Waters, parteilose Ortsbürgermeisterin von Zeltingen-Rachtig

Denn: Vor ein paar Jahren wurden in 22 Metern Tiefe Erdverformungen festgestellt, die sich rund 0,6 Millimeter im Jahr bewegten. Für den Fall, dass es noch mal zu solchen Bewegungen kommen sollte, wurden sechs unterirdische Betonsäulen an der Stelle gebaut – als zusätzlicher Schutz.