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Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed bekommt den Friedensnobelpreis für seinen Friedensschluss mit Eritrea. Die Nobelwoche erreicht mit der Bekanntgabe des Friedensnobelpreises ihren Höhepunkt.

Abiy wird für seinen Einsatz für Frieden und vor allem für seine Initiative zur Lösung des Grenzkonflikts mit dem äthiopischen Nachbarland Eritrea ausgezeichnet. Das gab das norwegische Nobelkomitee in Oslo bekannt.

Die Auszeichnungen sind mit jeweils neun Millionen schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert und werden an Nobels Todestag, dem 10. Dezember, überreicht. Während alle weiteren Preise dann in Stockholm verliehen werden, bekommt ihn der Friedensnobelpreisträger traditionell in Oslo.

Frieden mit Eritrea

Abiy Ahmed; Foto: picture alliance/Britta Pedersen/dpa
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Abiy hat sich im Friedensprozess mit seinem Nachbarland Eritrea verdient gemacht. Im Juli 2018 unterzeichneten Äthiopien und Eritrea einen Friedensvertrag, der den 20 Jahre dauernden Streit zwischen den Ländern offiziell beendete.

Abiy gilt ein Hoffnungsträger für ganz Afrika. Doch sein Versöhnungskurs ist zunehmend umstritten. Die Furcht wächst, dass statt Frieden Bürgerkrieg die Folge sein könnte. Denn die Gewalt im Vielvölkerstaat Äthiopien nimmt wieder zu – und richtet sich auch gegen den Regierungschef.

Im vergangenen Jahr erhielten der kongolesische Arzt Denis Mukwege und die irakische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad die Auszeichnung für ihren Kampf gegen sexuelle Gewalt als Kriegswaffe. Die diesjährige Vergabe ist die 100. in der Geschichte des Friedensnobelpreises.

„Glotzaugen“, „Rotzlecker“ und „Nichtsnutze“

Literaturnobelpreis 2019 für Peter Handke, 2018 für Olga Tokarczuk; Foto: p, icture alliance/Herbert Neubauer/APA/dpapicture alliance / NurPhoto

Literaturnobelpreis 2019 für Peter Handke, 2018 für Olga Tokarczuk

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Der Literaturnobelpreis in diesem Jahr geht an Peter Handke und Olga Tokarczuk. Mit seinen mehr als 20 Stücken hat der österreichische Autor Peter Handke Theatergeschichte geschrieben. Ein Skandal wurde die Uraufführung 1966 von „Publikumsbeschimpfung“ in Frankfurt. Die damals sehr elegant gekleideten Theaterbesucher wurden darin von den Schauspielern als „Glotzaugen“, „Rotzlecker“ und „Nichtsnutze“ bezeichnet.

Vielen Schülern ist Handke auch als der Autor der Erzählung „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ bekannt. Das Buch wurde von Wim Wender verfilmt.

„Die Bücher Jakobs“ – eine Geschichte Polens

Außerdem geht der Literaturnobelpreis 2018 an die polnische Autorin Olga Tokarczuk. Fast sieben Jahre schrieb sie an ihrem letzten Roman. Als er erschien, traf sie damit den Nerv der Zeit. Ihr Historienroman „Die Bücher Jakobs“ 2014 handelt von der polnische Geschichte, der Unterdrückung von Minderheiten und auch von der Verfolgung von Juden im Namen der polnischen Politik. Tokarczuk erhielt nach dem Erscheinen des Romans Morddrohungen.

Nobelpreis für Physik für eine „wiederaufladbare Welt“

Stanley Whittingham aus Großbritannien, Akira Yoshino aus Japan sowie John B. Goodenough aus den USA arbeiten an der Entwicklung von Lithium-Ionen-Batterien. Die „leichten, wiederaufladbaren Akkus“ würden heute in allen Bereichen eingesetzt und könnten auch erhebliche Mengen an Energie aus Sonnen- und Windkraft speichern, erklärte die Königliche Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm zur Begründung.

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Die leichten, wiederaufladbaren und starken Batterien, die die Wissenschaftler entwickelt haben, würden in zahlreichen Produkten wie Mobiltelefonen, Laptops und Elektro-Fahrzeugen eingesetzt. Sie können große Mengen an Solar- und Windenergie speichern und machen so eine Welt frei von fossilen Kraftstoffen möglich, hieß es weiter. Die Forscher, so überschrieb die Akademie ihre Mitteilung, „erschufen eine wiederaufladbare Welt“.

Physik-Nobelpreis für Kosmosforscher

Der Physik-Nobelpreis geht in diesem Jahr an den in Kanada geborenen James Peebles und an die beiden Schweizer Michel Mayor und Didier Queloz. Die drei Wissenschaftler werden für ihren Beitrag zum Verständnis der Evolution des Universums und „dem Platz der Erde im Kosmos“ ausgezeichnet.

Michel Mayor; Foto: picture alliance/Di Nolfi/epa/dpa

Der schweizer Astrophysiker Michel Mayor bekommt den Physik-Nobelpreis 2019

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Didier Queloz; Foto: picture alliance/Salvatore Di Nolfi/Keystone/epa/dpa

Didier Queloz teilt sich die Hälfte des Nobelpreises mit seinem Kollegen Michel Mayor

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Jim Peebles; Foto: picture alliance/Mark Czajkowski/Princeton University/AP/dpa

Kosmologe Jim Peebles beschäftigt einfach gesagt sich mit der Ausdehnung des Weltalls

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Peelbes bekommt die Hälfte des Preises für seine „theoretischen Entdeckungen in physikalischer Kosmologie“ zugesprochen – unter anderem hat der 84-Jährige grundlegende Forschung zum Beispiel zum Urknall betrieben. Peebles bekam für seine Arbeit viele Preise, sogar ein Kleinplanet ist nach ihm benannt: „18242 Peebles“. 

Mayor und Queloz teilen sich die andere Hälfte für die Entdeckung eines Exoplaneten, der einen sonnenähnlichen Stern umkreist. Ein Exoplanet ist ein Planet außerhalb des Sonnensystems. Queloz war Anfang der Neunziger Jahre junger Doktorand und auf der Suche nach Braunen Zwergen – kleinen, kühleren und dunkleren Verwandten von Sternen. Bei seinen Messungen stieß er am Himmelskörper „51 Pegasus“ auf seltsame Dinge. „Was ich sah, war komplett verrückt“, sagte er der Neuen Zürcher Zeitung vor vier Jahren. Seine Vermutung: Er habe einen neuen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. Weil er sich seine Ergebnisse nur durch Messfehler erklären konnte, behielt er seine Entdeckung erst einmal für sich. Schließlich holte er sich Rat bei seinem Kollegen Michel Mayor, bei dem er an der Universität Genf promovierte. Das war 1994, ein Jahr später wagten sich Queloz und Mayor mit ihrer unglaublichen Entdeckung an die Öffentlichkeit.

Nobelpreis für Medizin geht an drei Forscher

Der Nobelpreis für Medizin ging in diesem Jahr auch an drei Forscher: Zwei aus den USA und einer aus Großbritannien. Sie haben herausgefunden, wie man zum Beispiel Krebs und andere Erkrankungen besser behandeln kann.

Nobelpreiskomitee; Foto: picture alliance/-/XinHua/dpa

Drei Wissenschaftler teilen sich den Medizin-Nobelpreis 2019

picture alliance/-/XinHua/dpa

Ihre Forschung ist kompliziert. Aber Gregg Semenza von der Johns Hopkins Universität in Baltimore, Krebsforscher William Kaelin aus Harvard und Sir Peter Ratcliffe aus Oxford haben den Mechanismus entschlüsselt, wie unsere Zellen auf unterschiedliche Mengen an Sauerstoff reagieren.

Die Wissenschaftler haben ein Protein, also ein bestimmtes Eiweiß entdeckt, das in praktisch allen Zellen unseres Körpers steckt. Und dieses Protein merkt, wenn zum Beispiel ein Bergsteiger in großer Höhe unterwegs ist: Dann produziert der Körper mehr EPO, damit entstehen mehr rote Blutkörperchen. Das Hormon wird deshalb auch als Dopingmittel benutzt. Umgekehrt reagiert der Körper auch, wenn er plötzlich mit Sauerstoff geflutet wird. Dabei spielt dann immer auch ein Gen eine Schlüsselrolle, das die drei entdeckt haben.

Allerdings hat die Entdeckung erst einmal noch keinen konkreten Nutzen für die Wissenschaft – in der Zukunft mit ziemlicher Sicherheit aber schon. Denn Sauerstoff beeinflusst unser Immunsystem, unsere Muskelkraft und diverse Krankheiten. Blutarmut zum Beispiel lässt sich vermutlich besser behandeln, wenn man die sauerstoff-empfindlichen Eiweiße pusht.

Auch nach einem Schlaganfall können Ärzte mit Hilfe von Sauerstoff wahrscheinlich mehr gesundes Gewebe im Gehirn erhalten; dazu sind auch schon Studien geplant. Bei Krebs könnte eher der umgekehrte Weg nützlich sein: sauerstoff-empfindliche Proteine gezielt ausbremsen, damit Tumore langsamer wachsen.

Bekanntgabe aller Preisträger dauert eine Woche

Traditionell werden die Preisträger verteilt auf eine ganze Woche bekanntgegeben. Den Auftakt macht der Nobelpreis für Medizin am Montag, am Dienstag werden die Physik- und am Mittwoch die Chemie-Nobelpreisträger bekanntgegeben. Am Donnerstag wird verkündet, wer den Literaturnobelpreis bekommt.

Die Vergabe aller Auszeichnungen ist dann traditionell am 10. Dezember – dem Todestag von Preisstifter Alfred Nobel.

Autor
SWR3