Autor
Laura Bisch
Laura Bisch, SWR3; Foto: SWR3
Stand:

Die evangelische Kirche will ein eigenes Schiff, um Menschen aus dem Mittelmeer zu retten. Wie das Ganze finanziell gestemmt werden soll und was mit den geretteten Menschen passieren soll, klären wir hier.

Dass im Mittelmeer weiterhin Menschen ertrinken, könne man nicht hinnehmen – das hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, am Donnerstag in Berlin gesagt. Deshalb tue sich die evangelische Kirche gerade mit anderen Organisationen zusammen, um ein eigenes Rettungsschiff zu kaufen.

Zuerst muss ein Verein gegründet werden

Ganz so einfach ist es aber nicht: Zuerst müsse man einen Verein gründen, erklärte Bedford-Strohm weiter. Dieser Trägerverein könne dann ein eigenes Schiff kaufen – und später betreiben. In See stechen soll das Schiff voraussichtlich in ein paar Monaten. Derzeit laufen laut Bedford-Strohm die Sondierungen für den Kauf, anschließend müsse das Schiff zweckgemäß umgebaut werden.

Vieles ist noch unklar

Mitglieder des Vereins sollen demnach zahlreiche Institutionen und Organisationen sowie Kirchengemeinden und Sportvereine sein – welche Organisationen und möglicherweise auch andere Religionsgemeinschaften genau den Verein mitgründen werden, blieb am Donnerstag noch offen.

Unklar ist auch noch, wer welchen Anteil an den Kosten trägt. Die evangelisch-reformierte Kirche hatte bereits vor längerer Zeit angekündigt, 15.000 Euro für ein kirchliches Seenotrettungsschiff spenden zu wollen. Bedford-Strohm rechnet seinerseits mit einem hohen sechsstelligen bis niedrigen siebenstelligen Betrag.

Was passiert mit den geretteten Menschen?

Die Seenotrettung ist das eine – wo die geretteten Menschen dann aber aufgenommen werden, das andere. Dazu hat die evangelische Kirche im Namen aller beteiligten Organisationen in einer Pressemitteilung folgende Forderungen veröffentlicht:

1. Dass es einen Notfallplan für Bootsflüchtlinge geben soll. Heißt: Aufnahmebereite EU-Mitgliedsstaaten sollen die Menschen solidarisch aufnehmen – momentan noch ein Problem. Es gibt immer wieder Fälle, bei denen das klappt. Oft müssen die Geretteten aber wochenlang auf den Schiffen ausharren, bis sie an Land gehen dürfen.

2. Dass „Sichere Häfen“ ermöglicht werden. Heißt: Die evangelische Kirche und verbündete Organisationen fordern, dass die deutsche Politik es auch Städte und Kommunen erlaubt, Menschen aufnehmen zu dürfen. Das geht bisher nicht.

3. Dass keine Menschen nach Libyen zurück müssen. Die evangelische Kirche sagt hier: „Flüchtlinge in Libyen sind dem Risiko systematischer Folter, Versklavung und Gewalt ausgesetzt. Jede Unterstützung und Ausbildung der sogenannten libyschen Küstenwache müssen eingestellt werden. Die EU und Deutschland müssen das Non-Refoulement-Gebot als zwingendes Völkerrecht achten und umsetzen.“

Idee ist nicht ganz neu

Die Idee, ein eigenes Schiff für die Rettung von Geflüchteten ins Mittelmeer zu entsenden, wird innerhalb der evangelischen Kirche seit dem Kirchentag im Juni in Dortmund diskutiert. In einem entsprechenden Gremium habe es dann eine große Einigkeit zu der Frage gegeben, hieß es weiter von Bedford-Strohm. Es bestehe die Pflicht zu helfen, sagte er: „Not hat keine Nationalität.“

Autor
Laura Bisch
Autor
SWR3