Autor
Svenja Maria Hirt
Svenja Maria Hirt, SWR3; Foto: SWR3/Alexander Winkler
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Ein Geldbeutel wird gefunden und an einer Rezeption oder Kasse abgegeben. Verleitet es Menschen, den Geldbeutel einzustecken, wenn sie viel Geld enthält? Ein Experiment mit unerwartetem Ausgang.

Wie ehrlich gehen Menschen mit einem gefundenen Geldbeutel um? Macht es einen Unterschied, ob viel oder wenig Geld darin ist? Das haben Forscher aus der Schweiz und den USA bei einer Studie in 355 Städten in 40 Ländern untersucht – mit überraschendem Resultat: Je mehr Geld in der Brieftasche war, desto ehrlicher waren die Menschen. Das berichtet das Team um Michel André Maréchal und Christian Zünd von der Universität Zürich im Fachblatt Science.

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Interview Christian Zünd auf die Frage: Was hat Sie selbst am meisten an den Ergebnissen Ihrer Studie überrascht?

Dauer

17.000 Geldbeutel, 355 Städte, 40 Länder

Zu dem Versuch gehörten mehr als 17.000 Geldbeutel mit Visitenkarten, teils mit Schlüsseln und Geldbeträgen verschiedener Höhe. Helfer der Forscher behaupteten, sie gefunden zu haben, und gaben sie am Empfang von Institutionen ab – etwa an Hotelrezeptionen, Banken, Kinokassen, Poststellen, Polizeiwachen oder Ämtern. Die Forscher achteten darauf, wie oft die Brieftaschen ihren Weg zurück zum vermeintlichen Besitzer fanden.

Geldbeutel mit Schlüssel werden öfter zurückgegeben

Die Resultate: Zum einen wurden Geldbeutel mit Schlüssel unabhängig vom Geldbetrag öfter zurückgegeben als solche ohne Schlüssel. Die Forscher schließen daraus, dass Finder – in diesem Fall also die Menschen am Empfang von Institutionen – oft selbstlose Motive haben, denn der Schlüssel hat für den Besitzer Wert, nicht für den Finder.

Höhere Rückgabequote bei hohem Geldbetrag

Die große Überraschung für die Forscher war aber, dass zwar der Geldbetrag im Portemonnaie einen Unterschied machte, aber umgekehrt wie erwartet: Je höher die Beträge waren, desto mehr Geldbeutel wurden zurückgegeben.

Die Besitzer von 51 Prozent der Geldbeutel, die etwa zwölf Euro enthielten, wurden kontaktiert, bei den Börsen ohne Geld wurden nur 40 Prozent kontaktiert. In einer kleineren Nachstudie in Polen, den USA und Großbritannien stieg die Quote bei 80 Euro im Portemonnaie sogar auf 71 Prozent.

Selbstbild als Dieb

Die Autoren – Verhaltensforscher und Ökonomen – erklären das Resultat damit, dass Menschen sich beim Einbehalten größerer Beträge eher als Diebe fühlen. Mit diesem Selbstbild könnten viele aber schlecht leben.

Menschen wollen sich als ehrliche Personen sehen, nicht als Diebe.

Michel André Maréchal

Insgesamt fanden mehr als 8.000 der gut 17.000 Geldbeutel zu ihren vermeintlichen Besitzern zurück.

Was bringt die Studie?

Einzelne Studien hätten wiederholt gezeigt, dass Menschen ehrlich sein wollten, sagt Christian Zünd. „Unsere Studie zeigt nun, dass dies ein globales Phänomen ist, in armen und reichen Ländern, bei Männern und Frauen, bei jung und alt.“

Nutzen aus solchen Studien könnten Behörden und Unternehmen ziehen. „Man kann Menschen besser motivieren, ehrliche Antworten zu geben, wenn man sie bei ihrer Ehre packt“, so Zünd. Der häufig am Ende von Formularen gedruckte Zusatz 'Ich versichere, alle Fragen wahrheitsgemäß beantwortet zu haben' sollte besser am Anfang stehen, dann gebe es mehr wahre Antworten. Und Studenten schummelten weniger, wenn sie vor der Prüfung einen Ehrenkodex unterzeichnen müssten. Auch Steuerbehörden könnten prüfen, wie sie mit solchen einfachen Mitteln Betrügereien verhindern können.

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Svenja Maria Hirt
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dpa