Im Sommer 2016 hat Bayern den digitalen Polizeifunk eingeführt. Allerdings kämpfen die Polizisten mit fiesen Kinderkrankheiten des dienstlichen Digital-Zeitalters. Deswegen bekommen die Beamten jetzt noch Dienst-iPhones dazu.

Eine Milliarde Euro hat sich der Freistaat Bayern das neue digitale Funknetz für die Polizei kosten lassen. Der Empfang sollte besser sein und die Übertragung klarer. Aber das System hat auch Schwachstellen: Will ein Beamter ein Bild von einem Einsatz an die Zentrale schicken, klappt das meistens nicht. Die Leitungen sind zu schwach für Bilder, Videos und andere größere Daten.

Verbotene Alternative: WhatsApp

iPhone; Foto: dpa/Picture Alliance
dpa/Picture Alliance

Bisher mussten die Polizisten diese Daten über ihre privaten Handys verschicken. Meist musste dafür WhatsApp herhalten: In Gruppen gehen die Fotos, Videos oder Sprachaufnahmen blitzschnell an alle Kollegen, die in der Gruppe sind. Das Problem: Die dienstliche Nutzung von privaten Geräten ist eigentlich verboten. Denn: Die Daten landen beim Versenden nicht nur bei den Polizei-Kollegen sondern auch auf den Servern von Facebook, irgendwo in den USA.

Polizisten bekommen Dienst-iPhones

Also hat sich der Freistaat dazu entschlossen, einen privaten Anbieter zu suchen, der einen polizeiinternen Messenger-Dienst zur Verfügung stellen kann. Jetzt habe man den auch gefunden, sagt Innen-Staatssekretär Gerhard Eck (CSU). Ein großer Mobilfunknetzbetreiber habe sich angeboten – die Polizei wird jetzt mit iPhones ausgestattet, um den Dienst auf Herz und Nieren zu testen. Dafür bekommt die Polizei sogar ein eigenes „zertifiziertes Rechenzentrum“ in Frankfurt am Main, auf das nur die Polizei Zugriff hat.

Ärger über falsche Versprechen

Das ganze Theater um das digitale Funknetz BOS ärgert den Freistaat. Bei der Vorstellung habe man die Übertragung von Fotos und Videos „großmundig versprochen“, sagt der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Bayern, Peter Schall. Die Realität sieht anders aus: Gerade einmal Sprache und kurze Textnachrichten im SMS-Stil schafft das staatliche Netz.

Kein Empfang in U-Bahn und Häusern

U-Bahn in Nürnberg; Foto: dpa/picture-alliance
dpa/picture-alliance

Dass Videos und Co. über BOS nicht verschickt werden können, ist nicht das einzige Problem der Polizisten. Beim Amoklauf von München letztes Jahr hat das Netz in Gebäuden nicht funktioniert. Wenn Polizisten in den U-Bahn-Systemen von München und Nürnberg im Einsatz sind, müssen sie drei Geräte mit sich schleppen. Den neuen BOS-Digitalfunk und ein altes Analog-Funkgerät – der Digitalfunk funktioniert unter der Erde nämlich nicht. Und für die Übertragung von Bildern auch noch ein Smartphone.