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Die Welt-Anti-Doping-Agentur hat Russland für vier Jahre vom internationalen Sport ausgeschlossen – wegen manipulierter Doping-Kontrollen. Was heißt das für Olympia, Champions League und Co?

Hintergrund der Sperre sind die bereits seit Jahren laufenden Ermittlungen. Offenbar hatte der russische Staat im großen Stil das Doping der Sportler organisiert.

Details zu diesem Doping-System wurden erstmals auf dem Höhepunkt der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi bekannt. Damals hatten russische Geheimdienstmitarbeiter Urinproben der gedopten Sportler mit sauberem Urin ersetzt.

Russische Anti-Doping-Agentur unter Verdacht

Plakette der russischen Anti-Doping-Behörde Rusada; Foto: imago images/ITAR-TASS

Die russische Anti-Doping-Agentur war offenbar in den Doping-Skandal verwickelt.

imago images/ITAR-TASS

Die meisten Nationen haben eine eigene Anti-Doping-Agentur, die im Land die Kontrollen durchführt und einen sauberen Sport garantieren soll.

Die in Russland zuständige Behörde Rusada geriet schnell in den Verdacht, dass sie die illegalen Aktivitäten im russischen Sport nicht nur übersehen, sondern auch aktiv mitgetragen hat.

2015 schloss die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada die Rusada deshalb vorläufig aus.

Gefälschte Kontroll-Daten

Um wieder aufgenommen zu werden, stellte die Wada der Rusada unter anderem die Bedingung, bis September 2018 ihre Daten über vergangene Doping-Kontrollen in Russland auszuhändigen.

Doch wie die dpa berichtet, wurden diese Daten wieder in großem Stil gefälscht: Tausende Einträge über Doping-Kontrollen seien gelöscht oder nachträglich verändert worden. Zu diesem Ergebnis kam eine unabhängige Prüfkommission, die von der Wada eingesetzt wurde.

Russland für vier Jahre gesperrt

Mit den echten Daten hätte der Doping-Skandal vor 2014 womöglich aufgeklärt werden können. Dann wären auch Verfahren gegen individuelle Sportler möglich gewesen. Doch die wollte Russland offenbar schützen.

Die Folge ist jetzt, dass die russische Anti-Doping-Behörde für weitere vier Jahre von der Welt-Anti-Doping-Agentur ausgeschlossen wird. Russland darf deshalb in dieser Zeit nicht als Nation bei internationalen Sport-Wettkämpfen antreten und auch selbst keine solchen Veranstaltungen mehr ausrichten.

Russische Sportler, aber keine russische Mannschaft

Ein Eishockeyspieler mit einem Trikot "Olympic Athlete from Russia"; Foto: imago/Sven Simon

Die „Olympic Athletes from Russia“ haben bei den Olympischen Winterspielen 2018 die Goldmedaille im Eishockey gewonnen.

imago/Sven Simon

Zwar können russische Sportler weiterhin bei Wettkämpfen antreten. Allerdings dürfen sie nicht als Mannschaft der Nation Russland auftreten.

Die Athleten müssen neutrale Trikots tragen, dürfen keine russische Flagge zeigen und die Nationalhymne Russlands wird nicht gespielt.

Bereits bei den Winterspielen 2018 in Südkorea gab es kein russisches Team, sondern nur „Olympische Athleten aus Russland“.

Olympische Spiele und Weltmeisterschaften betroffen

Die Sperre betrifft die kommenden Olympischen Spielen in Tokio 2020 und Peking 2022 sowie die nächste Fußball-Weltmeisterschaft. Die Fußball-Europameisterschaft soll nach Informationen des Focus hingegen nicht betroffen sein, da es sich hier nicht um eine weltweite Veranstaltung handele. Ob das Champions-League-Finale 2021 wie geplant in St. Petersburg stattfinden kann, ist noch unklar.

Russland will gegen die verhängten Sanktionen Einspruch einlegen. Russland werde für seine Sportler kämpfen, sagte die Parlamentsabgeordnete Swetlana Schurowa der Agentur Interfax. Im nächsten Schritt muss sich dann der internationale Sportsgerichtshof CAS mit dem Fall beschäftigen.