Autor
Laura Bisch
Laura Bisch, SWR3; Foto: SWR3
Stand:

Der Chemiekonzern Bayer steht immer wieder in der Kritik – zuletzt vor allem wegen des Unkrautvernichters Roundup, der den möglicherweise krebserregenden Wirkstoff Glyphosat enthält. Jetzt gibt es allerdings einen neuen Angriffspunkt: das Magen-Darm-Mittel Iberogast.

Bayer selbst wirbt für sein Magen-Darm-Mittel Iberogast mit den Worten „gut verträglich“ und „für Kinder ab drei Jahren“. Dem gegenüber steht jetzt womöglich eine Ermittlung der Staatsanwaltschaft Köln wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung. Der Verdacht: Iberogast könnte für den Tod einer Frau und Verletzungen anderer Nutzer verantwortlich sein. Darüber berichtet das Handelsblatt.

Eine entsprechende Ermittlung laufe momentan, die Staatsanwaltschaft habe ein Gutachten in Auftrag gegeben. Laut dem Handelsblatt hat die Staatsanwaltschaft eine Stellungnahme abgelehnt – bei Bayer heißt es, der Konzern wisse momentan nichts von einem Ermittlungsverfahren.

Iberogast steht schon seit Jahren in der Kritik

Dass jetzt ausgerechnet die Magentropfen des Konzerns in den Fokus rücken, kommt nicht überraschend: Schon Mitte 2018 war bekannt geworden, dass eine Frau in Deutschland an Leberversagen und inneren Blutungen gestorben war – nachdem sie zuvor immer wieder Iberogast genommen hatte.

Dieser Fall veranlasste Bayer zu einer Kehrtwende: Der Konzern änderte die Packungsbeilage der Tropfen und fügte dieser folgenden Satz an: „Bei der Anwendung von Schöllkraut-haltigen Arzneimitteln sind Fälle von Leberschädigungen (…) bis hin zu arzneimittelbedingter Gelbsucht (…) sowie Fälle von Leberversagen aufgetreten“.

Bayer hatte sich geweigert, auf Risiken hinzuweisen

Diesem Einknicken von Bayer war ein jahrelanger Streit mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vorangegangen. Der Grund: Das Amt hatte schon Jahre vor dem Todesfall gefordert, diesen Warnhinweis in die Packungsbeilage des Medikamentes aufzunehmen. 2016 hatte ein Wissenschaftler in einem Fachjournal sogar einen Zusammenhang zwischen Iberogast und einem Leberversagen hergestellt. 

Bis Mitte 2018 hatte sich Bayer dennoch geweigert, in der Packungsbeilage des Medikamentes vor solchen Nebenwirkungen hinzuweisen. Ganz im Gegenteil: Anfang 2018 hatte der Konzern sogar noch ein Video veröffentlicht, in dem die Leiterin der medizinischen Sparte des Unternehmens, Konstanze Diefenbach, das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Iberogast als positiv beteuerte. Die Forderung, entsprechende Warnhinweise in die Packungsbeilage aufzunehmen, sei unbegründet. Das änderte sich 2018 dann aber offensichtlich – nachdem Bayer vorgeworfen wurde, für den Tod der Frau verantwortlich zu sein.

Autor
Laura Bisch
Autor
SWR3