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Die Verkehrsminister der EU-Staaten wollen die Arbeitsbedingungen von Lkw-Fahrern verbessern. Geplant ist ein Verbot von Übernachtungen in der Fahrerkabine - allerdings nur für lange Ruhepausen. Schärfere Regeln sollen zudem Lohndumping verhindern.

Teilweise schlafen sie über Wochen hinweg Tag für Tag auf irgendeinem Autobahnrastplatz in Europa. Ihre Familie sehen sie über Wochen hinweg nicht. In der Lkw-Branche herrscht harter Wettbewerb - viel zu oft wird er auf dem Rücken der Fahrer ausgetragen.

Vor allem westeuropäische Staaten beklagen Sozialdumping und unlauterem Wettbewerb im Transportgewerbe. Auf drängen von Deutschland, Frankreich, Österreich, Belgien, Dänemark, Italien, Luxemburg, Norwegen und Schweden haben sich deswegen nun die Verkehrsminister aller EU-Länder getroffen.

Weniger Übernachtungen in der Fahrerkabine

Herausgekommen sind mehrere Neuerungen. Das Ziel: eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. So soll es den Fahrern verboten werden, ihre wöchentliche Ruhezeit in ihrer Fahrerkabine zu verbringen. Transportunternehmen müssten dafür Sorge tragen, dass ihre Fahrer für diese Zeit eine Unterkunft in einem Hotel oder in einer Pension bekommen.

Eine Übernachtung nach einer regulären Schicht soll jedoch weiterhin im Fahrzeug erlaubt bleiben. Ein Mal pro Woche müssen Lkw-Fahrer jedoch bis zu zwei Tage am Stück Pause machen – für diese Zeit soll das Kabinenübernachtungsverbot gelten.

Lkw bei Nacht auf einem Autobahnrastplatz; Foto: dpa/picture-alliance

Lkw bei Nacht auf einem Autobahnrastplatz

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Außerdem soll für gleiche Arbeit am gleichen Ort gleicher Lohn bezahlt werden müssen. Immer wieder gibt es Beschwerden, dass beispielsweise Fahrer aus Osteuropa Transporte ausschließlich in Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern übernehmen, aber nach Heimattarif bezahlt werden – also zu wesentlich geringeren Stundenlöhnen als ihre westeuropäischen Kollegen. Damit wollen die EU-Verkehrsminister nun Schluss machen.

Spätestens nach vier Wochen zurück nach Hause

Auch eine weitere Regel zielt darauf ab, dass Fahrer nicht permanent fern ab ihrer Familie arbeiten müssen: Kraftfahrer sollen nur noch vier Wochen am Stück ohne Ruhepause zu Hause in Europa unterwegs sein. Bei den Neuregelungen handelt es sich im Moment noch um Vorschläge. Bevor sie in Kraft treten, muss noch das EU-Parlament darüber abstimmen.

Bessere Arbeitsbedingungen - Was meint ihr?

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Gewerkschaft gegen neue Pläne

Die Kraftfahrergewerkschaft kritisiert den Beschluss der EU-Verkehrsminister. Das Übernachtungsverbot in den Lkw-Kabinen werde für Chaos sorgen. LKW-Fahrer müssten dann in Städten und Dörfern nach Hotels oder Pensionen suchen, sagte Gewerkschaftschef Willy Schnieders in SWR3.

Positive Reaktion aus Baden-Württemberg

Die Transportunternehmen in Baden-Württemberg stehen den neuen Regeln positiv gegenüber. Der Verband Spedition und Logistik VSL Baden-Württemberg sieht in dem Vorhaben einen Schritt hin zu klaren und einheitlichen Regeln in ganz Europa, sagte Geschäftsführer Andrea Marongiu.

In Europa hätte sich in der Logistikbranche in den letzten Jahren ein Flickenteppich gebildet, der nicht mehr händelbar gewesen sei, sagte Marongiu. Zwar bedeuteten die neuen Standards auch Einschnitte bei der Flexibilität – diesen Preis zahle man aber gerne für fairen Wettbewerb, so Marongiu. In dem Verband sind rund 460 Speditionen und Logistikunternehmen und gut 60.000 Beschäftigten organisiert.

Autor
Mario Demuth
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SWR3